Caroline Corleone
Theresa Eipeldauer
Anna Meyer
Muntean/Rosenblum
Haleh Redjaian
Esther Stocker
Katja Strunz
Sofie Thorsen
Jenni Tischer

08.12.2020–30.01.2021

CAROLINE CORLEONE
Geboren 1982 in Erlangen, D. Lebt und arbeitet in Berlin, D.

Caroline Corleones Kunst greift die grundlegenden Malbewegungen der letzten Jahrzehnte wie abstrakten Expressionismus oder Farbfeldmalerei. Da sie am Puls der Zeit ist, findet sie Inspiration in postmedialen Strategien des Kopierens und der digitalen Montage. Sie verwendet gerne Stoffe, spielt wild mit Mustern oder „malt“ mit ihrer Nähmaschine auf Leinwand. Ihre Kunstwerke ziehen den Bogen zwischen Realem, Digitalem und Gemaltem: Künstliche Formen nachgeahmter Natur treffen auf urbane Interventionen, abstrakte Pinselstriche kreuzen Fragmente und Reste sich wiederholender digitaler Muster.
Die neue Werkserie ist inspiriert von Textilentwürfen
der Künstlerin Mathilde Flögl (Wiener Werkstätte).
Die mehr oder weniger zufälligen Formen der Textilzuschnitte Flögls aus dem MAK Archiv (vor Ort Recherche im Februar 2019) sind der Ausgangspunkt für neue Kompositionen, erweitert mit grafischen „Zeichnungen“ per Nähmaschine.
Die Pattern Serie PPI* findet in der Flögl Serie eine Weiterführung, indem gegebene Pattern als fragmentarische Stellvertreter in blow ups als eigenständige künstlerische Arbeiten Form finden.



THERESA EIPELDAUER
1985 geboren in Wien, A. Lebt und arbeitet in Wien, A.

Die bildnerische Reichweite der von Theresa Eipeldauer eingesetzten Formensprache durchkreuzt eine Fülle von Materialien und technischen Prozessen, die auf das Primat der Zeichnung und der Malerei zurückzuführen sind, diese Medien jedoch in unterschiedlicher Weise analysieren und in einer weiteren Stufe räumlich fortführen.
Momente der Transparenz zeigen sich in den Strichzeichnungen von Theresa Eipeldauer, bei denen es sich um eine Vervielfältigung des Themas Linie handelt, die auf einer Folie und oftmals auch in einem zweiseitig begehbaren Stellwand-Trägersystem eingebaut, die Schwerkraft des Raums aufzuheben scheinen. Mit dieser Trope rekurrieren Eipeldauers Arbeiten auf Friedrich Kieslers Leger- und Trägersystem, das er für die internationale Theater-ausstellung 1924 in Wien entwickelt hatte. Dabei handelte es sich um eine modulare, freistehende Konstruktion von Bühnenelementen, auf denen Objekte und Bilder präsentiert wurden. Ebenso zeigen sich hier inhaltliche Parallelen, wenn Eipeldauers grafische Formationen in einigen Instanzen Referenzen zu Kieslers Formensprache aufweisen. Aus: Heike Maier-Rieper. “Theresa Eipeldauer.” in: 95-2015 Jubilee evn collection. Wien: Verlag für moderne Kunst, 2015.



ANNA MEYER
Geboren 1964 in Schaffhausen, CH. Lebt und arbeitet in Wien, A.

In ihren Werken (Bildtafeln, Zeichnungen, Modellen, Interventionen im öffentlichen Raum) setzt sich Anna Meyer auf ironisch-provokative Art mit der heutigen globalen Kultur und den sozial-politischen und feministischen Themen der neoliberalen Gesellschaft auseinander.
„Gerade die Malerei gab sich in den letzten Jahren angesichts der neoliberalen Globalisierung und der stetig bewusster werdenden Klimakatastrophe immer wieder als bloß ästhetisches Schmankerl, als, um es in den Worten des Philosophen Theodor W. Adorno zu sagen, "Fetisch und müßige Spielerei solcher, welche die drohende Sintflut gern verschliefen". Die Malerei von Anna Meyer hat da noch nie mitgespielt, vielmehr gehen bei ihr gesellschaftskritische Reflexion, visuelle Bild- und Themenfindung sowie deren formale Umsetzung stets Hand in Hand“. Aus: Raimer Stange „Nostalgia for an age yet to come“.
Die aktuellen Zeichnungen in der Ausstellung sind in der ersten Phase des Corona-Lockdowns März 2020 entstanden und stellen so wieder einen ganz aktuellen Zeitbezug her.




MUNTEAN/ROSENBLUM
Geboren 1962 Markus Muntean in Graz, A. / Adi Rosenblum in Haifa, Israel. Zusammenarbeit seit 1992.

Das Künstlerpaar Markus Muntean und Adi Rosenblum verwendet in ihren Malereien und Zeichnungen Themen aus der Kunstgeschichte und der heutigen Populärkultur. Ausgangspunkt ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Pathosformeln der Kunstgeschichte und die Frage, wie Emotionen, die dadurch zum Ausdruck kommen, in verschiedenen Epochen artikuliert und interpretiert werden. Motive, die wir aus Passionszyklen kennen, werden auf die psychologischen Dispositionen der zeitgenössischen Existenz angewendet, manchmal als Ausdruck einer Apathie, die die Empathie des Betrachters anspricht. Historische Bildthemen werden in die Gegenwart übertragen und gleichzeitig eine Diskussion über die Medienbedingungen ausgelöst, unter denen heute Bilder produziert werden. Durch die Verwendung von Sprache und Schrift dringt eine weitere Ebene in die Bildsprache von Muntean/Rosenblum ein und gibt Einblicke in die Komplexität der Herausforderungen, denen sich ein subtiles Medium wie Malen und Zeichnen bis heute stellen muss. * Die neue Serie von Zeichnungen, zu sehen aktuell bei Krobath Wien, verwendet Bilder, die aus „viralen“ Videos stammen, die über hunderttausend Mal auf YouTube angesehen wurden. * Aus einem Artikel in Dicecream Mag, ein Instagram magazine).




HALEH REDJAIAN
Geboren 1971 Frankfurt/M., D. Lebt und arbeitet in Berlin, D.

Redjaians neuestes Werk steht unter dem Einfluss ihrer Lektüre von Poetik des Raumes des französischen Philosophen Gaston Bachelard. Bachelard war ein Vertreter der Phänomenologie und überzeugt, dass zwischen einem aktiven Geist und seiner Umwelt eine dynamische Wechselwirkung besteht. Er führte eine systematische Analyse oder „Topoanalyse“ von „dem Raum, den wir lieben“ durch. Am Anfang seiner Analyse steht das Haus, das seiner Meinung nach immer mehr als eine rein funktionale Konfiguration orthogonaler Flächen ist. Damit verbundene affektive Erfahrungen durchbrechen zweifellos die strukturelle Strenge derartiger Räume und schaffen dadurch Raum für Poesie. Redjaians Annährung an das Raster ähnelt Bachelards Analyse des Hauses. In ihren Zeichnungen auf Papier, Textilarbeiten, Wandmalereien und Faden-Installationen ist das Raster nie absolut dominant, aber auch nicht rein funktional. Sie verwendet fertige oder auch handgezeichnete Raster und Linien als Rahmen für ihre geometrischen Arbeiten. In ihren Textilarbeiten, dienen traditionelle Teppiche als Grundlage für ein komplexes, vielschichtiges Gefüge aus Fäden, die Redjaian sorgfältig an der Oberfläche anbringt, um damit abstrakte Muster zu gestalten. Während bei Teppichen üblicherweise die bunten Fäden hineingewoben werden, legt sie die Künstlerin obendrauf und stickt sie lose auf den eigentlichen Teppich. Indem sie Unregelmäßigkeiten und Abweichungen in dieser sonst strengen Ordnung zulässt, erkennt die Künstlerin die allgegenwärtigen und unvorhergesehenen Unwägbarkeiten an, die unser unbegreifliches Leben ausmachen. (Translation: Mandana Taban)




ESTHER STOCKER
Geboren 1974 in Schlanders, IT. Lebt und arbeiten in Wien, A.
Esther Stockers Werk ist auf geometrischen Grundprinzipien aufgebaut, doch die Arbeiten weisen Brüche und Störungen auf. Sie entwickelt diese als System geometrischer Zeichen- und Rastersysteme in Schwarz-Weiß-Grau, erweitert sie auch in die dritte Dimension und verändert dadurch Raum und Architektur. Ein zentrales Thema ist die „Darstellung eines funktionalen Systems des Ungefähren, die Vagheit exakter Formen“. Die eingebauten Störungen sind oft minimal und lassen dynamische Bildräume entstehen, die ihr vermeintliches Ordnungsmuster verlieren. „Das Raster oder die Ordnung brauche ich“, so die Künstlerin, „um überhaupt erst eine Abweichung davon beschreiben zu können. Systemlosigkeit lässt sich nur durch Systeme beschreiben, sie ist Teil des Systems. Hinter einem Chaos ist immer auch eine Art Ordnung.“ Auch der dreidimensionale Raum wird wie ein Bildraum behandelt, Stocker überträgt das gedankliche Erlebnis in ein Bild hineinzugehen in den realen Raum. Beim Durchschreiten steht der Betrachter mitten im Bild und kann durch Bewegung den Raum immer wieder neu erfahren (etwa auch im Museum Liaunig, für das Stocker eine Rauminstallation entwickelt hat). Aus: Günther Oberhollenzer. Geometrische Abstraktion, malerische Experimente und die Überwindung des Zweidimensionalen. Fair – Magazin


KATJA STRUNZ
1970 geboren in Ottweiler, D. Lebt und arbeitet in Berlin, D.

Katja Strunz überführt den modernistischen Umgang mit Zeit und Raum, mit Chronologie und Linearität, in Werke über, in welchen sich durch Materialcollagen und durch die Konstellation von Materialfragmenten diachrone Bezugnahmen von Geschichte und Gegenwart vollziehen. In der Werkgruppe der „Pulp Paintings“, erscheint das Tafelbild als Gravitationsfeld handgeschöpfter geometrischer Papierelemente, die, obgleich miteinander formal verbunden, zueinander in Stellung und Opposition gebracht sind. Die „Pulp Paintings“ sind Schauplätze eines, wie die Künstlerin es nennt, ‚temporalen Gefüges’, dessen Abwicklung und Verlauf nicht abgeschlossen erscheint. Es sind Formstrukturen in Faltung und Fall in der Jetzt-Zeit ihrer Bildlichkeit – möglicherweise Zeichen des Übergangs.
Claudia Seidel.



SOFIE THORSEN
Geboren 1971 in Århus, DK. Lebt und arbeitet in Wien, A.

Die Arbeit von Sofie Thorsen setzt sich unterschiedlichen Werkzyklen mit Fragestellungen modernistischer Formgebung auseinander, die räumliche Denkansätze begründen bzw. das Dispositiv Raum ins Zentrum der Betrachtung rücken. Eingriffe in den realen Raum bzw. visuelle Darstellungen desselben führen bei Thorsen dazu, architektonische Parameter und die damit verbundenen Konstruktionen neu zu definieren. Die Collagen, Assemblagen und neuesten Relief-Bildern sind an ihre seit mehreren Jahren andauernde Auseinandersetzung mit japanischen Paravents, Kimonos und Momenten der Faltung angelehnt. Dabei greift sie die Tradition japanischer dekorativer Kunst und ihrer explizit architektonischen Komponente auf.




JENNI TISCHER
1979 geboren in D. Lebt und arbeitet in Berlin.

Wesentliches Gestaltungsprinzip der dreidimensionalen Arbeiten von Jenni Tischer ist die Kombination von Ma- terial, Farbe, Form und Text. Es finden sich Referenzen an die Kunst der Moderne, die in den Kontext ihrer eigenen Arbeit einfliessen, zugleich jedoch wieder zurückgenom- men werden. Ihre Installationen gleichen bühnenartigen Settings, in denen eine Fülle von Objekten Geschichten zu erzählen scheinen, die sich aber gleichzeitig einer Interpretation verschliessen. In den Arbeiten von Jenni Tischer klingen politische Themen wie Autorschaft, Produktion oder Feminismus an – dies wird vor allem in der Wahl ihrer Techniken deutlich, denn sie thematisiert typisch weibliche Tätigkeiten wie sticken, nähen oder weben und überführt diese auf sensible Weise in den Kunstkontext. Text: aus Baloise Art Prize 2013.
In den unter dem Titel Decision Making gezeigten Arbeiten fügt Tischer verschieden große schwarze Webrahmen zu unterschiedlichen „Geweben“ zusammen, die sich an den Musterungen der Kirchenfenster orientieren. Dabei hält das Garn die Rahmen, während diese wiederum durch das Glas „gerahmt“ sind. Auf diese Weise kommt es zu einer engen Verschachtelung von „Bild“ und „Rahmen“, von Display und Kunstwerk. So ist es nicht zuletzt das titelgebende „Machen“ selbst sowie die sich dahinter verbergenden Entscheidungen, die hier quasi sprichwörtlich „auf dem Präsentierteller“ vorgeführt werden. Denn transparent gemacht wird auch der Aufhängungsmechanismus: ein kleines Loch im Zentrum der Glasscheibe, das auf einem Nagel aufgehängt ist. Text: Fiona McGovern.