Elisa Alberti . Michael Bauch . Theresa Eipeldauer . Sebastian Koch . Fritz Panzer

15.04.–28.05.2021

ELISA ALBERTI
1992 geboren in Kiel (D), aufgewachsen in Bruneck (IT). Lebt und arbeitet in Wien, (A).

Meine Malerei ist die Vermittlung eines Zustandes“, sagt Elisa Alberti.
Die Bilder der Wiener Künstlerin mit deutschen und italienischen Wurzeln bestimmen einfache geometrische Formen und sanfte, monochrome Flächen. Innerhalb weniger Jahre ist es Alberti gelungen, eine unverkennbare Bildsprache zu entwickeln. Das reduzierte Formenvokabular und der stimmige Farbklang, die geschwungenen Flächen und weichen Rundungen sind stringent ausgeführt und von einer konsequenten malerischen Grundhaltung geprägt. Umgesetzt sind die Arbeiten in Acryl und Lack auf Leinwand oder Holz als Bildträger; neben großen, finden sich auch seriell anmutende, kleine Formate. Immer wieder gestaltet Alberti auch raumgreifende Installationen, um experimentierfreudig wie selbstbewusst Fläche und Raum, Zwei- und Dreidimensionalität zueinander in Dialog zu setzen. 
 Die spezifische geometrische Anordnung von Farbflächen und die daraus resultierende Ästhetik lässt natürlich an Werke der konkreten Kunst denken, einer Strömung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Chance eines künstlerischen Neuanfangs wagt. Konstruktive, konkrete Künstler*innen lehnen die figurativen Tendenzen des österreichischen Expressionismus ab und folgen einem Kunstbegriff, der auf Linien, Flächen und Farben basiert und meist ein klares geometrisches Prinzip vertritt. Marc Adrian, Richard Kriesche oder Helga Philipp rücken die Frage nach einer neuen Rolle des Betrachtenden und seiner Wahrnehmung in den Mittelpunkt und untersuchen die Beschaffenheiten von künstlerischen Oberflächen und Strukturen. In der „Neo Geo“-Bewegung („Neue Geometrie“) der 1980er Jahre werden diese Fragen, etwa von Dora Maurer und Gerwald Rockenschaub, wieder aufgegriffen. Die Neo-Geos setzen der wilden, schnellen und figurativen Malerei der „Jungen Wilden“ bewusst streng geometri- sche Formen in farbigen Farbfeldern entgegen. Gleichzeitig zeigt sich, dass das gemeinsame Interesse an neuen gestalterischen Elementen in der Geometrie, in der Raumerfahrung, in deren Wahrnehmung zu ganz unterschiedlichen künstlerischen Strategien führen kann. 

Aus: Günther Oberhollenzer „Elisa Alberti. Von der Möglichkeit der einfachen Form“, 2021.


MICHAEL BAUCH
1951 geboren in Hamburg (D). Lebt und arbeitet in Hamburg (D).

Michael Bauchs Malereien bezeichnen einen Vorgang zur Form. Seine Bilder sind Konzentrationen einer Praxis mit dem Material, hier mit Leinwand, Grundierung und Farbe, an der Bauch sein Verständnis des Malerischen seit Mitte der 1980er verschärft. Und wie auch immer objekthaft seine Arbeiten ihren BetrachterInnen gegenübertreten, die Spezifik die hier gesucht wird ist eine Malerische. Und doch ist Bauchs Prinzip nicht das der Komposition, sondern das der Aktion, einer praktischen Annäherung an die Leinwand, die sie in ersten Arbeitsschritten mit scheinbar zufälligen, sich wiederholenden zeichnerischen Bewegungen umreißt, um in ihnen Formen aufzufinden, auszuarbeiten und zu klären. Die intensive Farbigkeit die Bauch im Verlauf dieser Ausarbeitung seinen Bildern gibt bezeichnet hierbei einen weiteren Differenzierungsschritt in diesem fortschreitenden Prozess der Materialisierung.
Die Geschichte in Bauchs Malereien ist kein connaisseurhafter Referentialismus, eher schon ein Abdruck der Historie des Sehens. Hier sind es Anmutungen der 1950er ebenso wie der 80er, Formen des Abstrakten Expressionismus oder der frühen britischen Pop Art, die hier ohne gestische Monumentalität oder informelle Tragik zurückkehren. Man beginnt sich zu fragen, ob auch das Jetzt eine eigene Farbigkeit und Form besitzt, ob sie vielleicht in eben diesen Überschneidungen der Zeiten liegt, aus deren fortlaufender Wiederholung, Aktualisierung und Verschiebung sich die Gegenwartskunst zusammensetzt - oder ob sie erst in Retrospekt sichtbar in den Vordergrund treten wird, herausgearbeitet, wie hier, in Bauchs malerischer Arbeit am Material, in einer Art offenen Kunstgeschichte des malerischen Blicks. Bauch malt das Malen als eine künstlerische Arbeit am Material.
Aus: Pressetext zur Ausstellung, Kobath Wien, 2012.


THERESA EIPELDAUER
1985 geboren in Wien (A). Lebt und arbeitet in Wien, A.

Eipeldauer hat über ihr Lithographiestudium in Paris eine langjährige Auseinandersetzung mit Druckgrafik begonnen. Die heutigen Werke entstehen aus der Zeichnung: Scribbles aus Prozessen der Écriture Automatique werden einem digitalen Prozess des Scannens und Glitchens ausgesetzt, und am Computer gefiltert, transformiert und kompositorisch in Beziehung gesetzt. Eine erneute Auswahl davon wird durch Siebdruck auf zuvor bemalte Leinwände angebracht. Durch den manuellen Anstrich des Grundes nähert sich Eipeldauer klassischen Malereivorstellungen, die sie allerdings durch die darauffolgende Verneinung des Pinsels eher umleitet als berührt: der Pigmentauftrag geschieht indirekt, über Sieb und Rakel.
Eipeldauer bietet einen poetischen Umgang mit Visualitäten: sie baut Spannungen (“Vibrationen”) auf, indem sie formale Eigenschaften abtastet, variiert und gegenüberstellt. Sie fokussiert und multipliziert die Linie, wodurch Dreidimensionalität suggeriert wird. Überlappungen bringen Teile des Bildes zum Flimmern; Kontraste und Wiederholungen dienen zur Kreierung von Räumen oder Objekten. Die Werke nutzen häufig die Visualität von Schrift, von Sprache. Typografische Schwingungen bauen Gebilde und Unräume, die sprachlich nicht stattfinden könnten. Letztlich führt das formale Spiel zu visueller Ambivalenz, zu Andeutungen und offenen Interpretierbarkeiten.
Für Eipeldauer bedeutet Bildkomposition vor allem das Arrangieren von Vorfällen ("arrangement of incidents", dessen Akronym der Ausstellungstitel ist). Zweifel sind hierbei Antrieb der künstlerischen Auseinandersetzung, deren Entscheidungen sowohl emotional als auch formal getroffen werden: Platzierung des Drucks, Wahl der Trägerfläche, der Grundierungsschichten und Pigmente. Farbeigenschaften. So erarbeitet sich Eipeldauer eine Materialsensibilität, die das ursprüngliche Wesen von Malerei berührt: Was ist Malerei. Und was ist sie für mich?
Aus: Christian Bazant-Hegemark, „Theresa Eipeldauer, A /O /I, Krobath Wien, 2018.


SEBASTIAN KOCH
1986 geboren in Vorarlberg (A). Lebt und arbeitet in Wien, (A).

Es liegt ein ganz offensichtlicher ernsthafter Witz in den Bildern Sebastian Kochs, der durch das Ausformulieren der Linie auf der Leinwand zum Ausdruck kommt. Eine gemalte Fläche wird durch eine Linie gestört, die Linie scheint nur soweit formuliert, bis es zu einem Dialog zwischen Fläche, Linie und Bildraum kommt. Koch betreibt dieses Spiel solange, bis diese Liniengefüge zu Assoziationen mit etwas außerhalb des Bildes liegenden anregen. Die Linien werden zu Zeichen, die wir nicht eindeutig zuordnen können. Aber eine leise Ahnung hat jeder Betrachter, sie reift nur nicht zu einer konkreten Form in unserer Vorstellung, obwohl die Linie eine ganz konkrete Form annimmt.
Bei Sebastian Koch handelt es sich nicht um eine reduktionistische Malerei, um das Abstrahieren von Formen aus einer gegebenen Vorlage heraus. Sie repräsentiert nicht das Sich-Abarbeiten an einer Vorlage, egal ob diese Vorlage nun die nun Natur oder Kunst wäre. Sie ist aber auch kein ständiges Erproben der malerischen Mittel um ihrer selbst willen. Koch behandelt alles als Material, daraus resultiert wiederum ein spielerischer Umgang. Er unterscheidet nicht zwischen bildnerischem Material, Ideenmaterial, oder dem tatsächlichen Material, aus dem Malerei (und die moderne Plastik!) entsteht, nämlich aus Farbe, Holz, Rahmen, Leinwand etc. Dass er sich immer auch mit Kunst auseinandersetzen muss ist dabei klar. Denn sobald er nur den geringsten Eingriff ins Material der Malerei setzt, beginnt das Spiel und die Bürde der Repräsentation. Malerei und sein Diskurs sind dafür seit dem beginnenden 20. Jahrhundert elaboriert genug um neue Angriffsflächen zu bieten. Man spürt die Lust an der Auseinandersetzung bei Koch, die nicht bei der Kunst endet und im Titel der Ausstellung ebenfalls zum Ausdruck kommt.
Aus: Harald Krejci „Sebastian Koch. „schlingfiester“, Krobath Wien 2020.


FRITZ PANZER
1945 geboren in Judenburg (A). Lebt und arbeitet in Wien, (A).

Die Arbeiten von Fritz Panzer rekurrieren auf Momente des Alltags, aus dem Gegenstände entnommen werden, die sich in Folge in abstrahierter Weise in Zeichnung, Malerei und Skulptur wiederfinden. Die Umrisse der einzelnen Objekte werden auf das Wesentlichste reduziert, wobei sich in Panzers Werk der letzten Jahre unterschiedliche Grade der Abstraktion festmachen lassen und gewisse Formen manchmal nur mehr angedeutet werden. Als signifikant für Panzers Werk gelten seit über einem Jahrzehnt jene Drahtskulpturen, die an Environments der 1960er Jahre angelehnt sind. Als Raum-Environment fügen sich Zeichnung, Malerei und Objekte in einen Gesamtkomplex der Auseinandersetzung mit dreidimensionalen Strukturen und der Definition von Räumlichkeit in medial unterschiedlichen Abstraktionsebenen.
Seine Malereien evozieren eine komplette Abstraktion hinsichtlich der dargestellten Objekte. Als unterscheidendes Moment zwischen Panzers Zeichnungen und Malereien gilt die Tatsache, dass in den Malereien immer wieder auch Farbe in den Vordergrund tritt, während die Bleistiftzeichnungen einem rein abstrakten Schwarz-weiß Schema unterliegen. Die Flächigkeit des Farbauftrags in den Malereien führt zu geometrisch abstrakten Farbebenen, bei denen die Realität des Dargestellten in den Hintergrund tritt und die Gegenständlichkeit der Objekte nur als ephemere Strukturen wahrnehmbar werden. Die Linearität der Bleistiftzeichnungen nimmt im Vergleich zu den Malereien direkten Bezug zu den Drahtskulpturen, da ihr Duktus jenem der Drahtführung entspricht und sich durch den minimalen Einsatz der schwarzen Strich- und Linienführung auf weißem (Hinter)Grund gleichzeitig eine räumliche Komponente einstellt.
Aus: Walter Seidl, Pressetext zu Fritz Panzer, Krobath Wien, 2014.