„image/reads/text“ „The Happy Fainting of Painting #2” curated by_Hans Jürgen Hafner & Gunter Reski.

15.09.–14.10.2017

„image/reads/text“
„The Happy Fainting of Painting #2”
curated by_Hans Jürgen Hafner & Gunter Reski

KünstlerInnen / Artists:

Art & Language, Olga Balema, Josef Bauer, Tim Berresheim, Lutz Braun, Sabeth Buchmann & Hong Zeiss, HC Dany, Helmut Draxler, Heinrich Dunst, Christian Egger, Fabian Ginsberg, Ellen Gronemeyer, Hans-Jürgen Hafner, Rosa Hausleithner, Stefan Hayn, Christian Höller, Elke Silvia Krystufek, Claudia Kugler, Ulrich Lamsfuss, Christine Lemke, Birgit Megerle, Anna Meyer, Ariane Müller, Robert Müller, Vanessa Joan Müller, Kito Nedo, Chris Reinecke, Berthold Reiss, Gunter Reski, Pieter Schoolwerth, Lin May Saeed, Avery Singer, Dominik Sittig, Paul Sochacki, Catharina Szonn, Anke Völk, Marcus Weber, Claudia Zweifel.

„The Happy Fainting of Painting #2” entwirft sich als mutwillig didaktisches Bild/Text-Layout auf Basis des dem Kompositionsregister des Modernismus entwendeten grid: darin begegnen sich Kunstwerke und Theoriebeiträge buchstäblich auf Augenhöhe und stellen so im gegenseitigen Bezug augenfällig Diskursivität her. Die Essayschau führt eine Diskussion über und mit Malerei fort, deren bisheriger Stand im Sammelband „The Happy Fainting of Painting“ (Walther König, 2014) dokumentiert und in einer ersten Ausstellung in der Berliner Zwinger Galerie (2012) initiiert worden war.

Tatsächlich konnte Malerei (auf ihrem Weg von der Technik zur Kunst) von außen an sie herangetragene neue Künste wie technische Ressourcen sich bisher stets im produktiven Sinne einverleiben bzw. diesen etwas abgewinnen. Das betrifft ihre – als Malerei, Bild und Kunst je spezifischen – Produktions- und Verwendungsweisen, alternative Bildtechnologien und visuelle Industrien, ihre Geschichte als Medium oder Sammlungstool von Bildern und Wissen im Hinblick auf ein mögliches kollektives Gedächtnis. Egal ob als historische Metaebene oder traditionelles Bildmedium kann sie nach wie vor selbst dominante visuelle Kulturen wie etwa die Werbung kritisch reflektieren und mitunter transzendieren. Jeder ihrer prognostizierten Tode hat sich bisher, und sei es nur zeitweilig, als Frischzellenkur erwiesen. Wenn es ein Medium gibt, das sich durch Krisen am Leben erhält, ist das die Malerei.

Entsprechend hat sich das Traditionsmedium Malerei durch neue, digitale Technologien und deren Verwendung in der Kunst keineswegs ‚erübrigt’, wie die Ausstellung „Painting 2.0 – Malerei im Informationszeitalter“ (Museum Brandhorst, München / MUMOK, Wien, 2015/16) gezeigt hat. Der mit dieser Ausstellung verbundene Kanonisierungsschub verdient allerdings eine kritische Revision und dringend Fortschreibung. Hier wurde mit einer letztlich verengten Perspektive auf Malerei (und Kunstbetrieb) als regelrechte Institution der Zugang gleichermaßen zur Kunst wie zu den Bildern verstellt. Mit Bildern wären hier visuell-kognitive Potentiale gemeint, die im kunstimmanenten und/oder gesellschaftlichen Rahmen Wirkung zeigen, also nicht auf Malereiimmanenz festgeschrieben sind.

In diesem Sinne sind die fünf Kategorien zu verstehen, die „The Happy Fainting of Painting“ als Arbeitshypothesen einführt, um Kunst-, Malerei- und Bilddiskurse aus der aktuellen malerischen Produktion heraus anzustoßen. Die Kapitel „The Painted Word/Das Wort ‚Malerei“, „Nach der Abstraktion der Abstraktion“, „Postironie“, „Combine Painting/anything goes anything“ und „Realismen/Dokumentarmalerei“ füllen sich ohne Anspruch auf Themenerfüllung gleichwertig mit künstlerischen und theoretischen Beiträgen von Künstler_innen, Theoretiker_innen und Interessierten dieser medialen Sachlage. Die Ausstellung, so sehr sie in den Einzelfall von Bild und Meinung zerfallen mag, ergibt ein vielstimmiges Schaubild der wechselseitigen und neuen Bezüge.