FRITZ PANZER / JOSEF BAUER

21.10.–22.12.2016

Kritische Zustände der Form

Mit dem Werkstoff Draht erarbeitet sich Panzer seine aus dem profanen Alltag auftauchenden Formen, vom Waschbecken bis zum Lastwagen. Es ist aber nicht die detailgetreue mimetische Wiedergabe sondern die Erarbeitung einer eigenständigen Form, die als Zeichnung im Raum sichtbar wird. Indem sich Panzer an die Zeichnung als formkonstituierende Gattung seiner Plastiken anlehnt, entsteht eine Art Krise des Raums. Eine Krise, die mehr im Bereich des Betrachters liegt, denn wir sind es gewohnt, in der Zeichnung den Raum zu abstrahieren. Während die dreidimensionale Form uns den Raum vorgibt. Die Fragilität der skulpturalen Geste lässt uns das Gesehene eher wie eine ephemere Erinnerung wahrnehmen, denn auch im Denken und in der Erinnerung sind wir oft mit eher vagen Raumvorstellungen konfrontiert. Panzer reflektiert in seinen zweidimensionalen Arbeiten die „kritischen Zustände der Form und des Raums“, indem er Struktur und Form gegeneinander setzt und manchmal geradezu ausspielt. Es sind keine Skizzen oder Studien seiner Objekte wenn Panzer mit Formüberlagerung und -transparenz experimentiert und er die kritischen Momente in der Entstehung von Bildraum auslotet.

Josef Bauer arbeitet permanent an der Frage, wie wir Menschen uns die Welt erschließen. Wie wir sie uns bedeutend machen. Er hat sich stets - inspiriert von sprachwissenschaftlichen Ansätzen - der Frage nach dem Verhältnis von Sprache und Bild gewidmet. Seine räumlichen Konstellationen von sprachlichen Versatzstücken und Bildern, skulpturalen Gesten oder Alltagsgegenständen kreieren einen relationalen Kosmos, der stets um die Krise der Bedeutung und Zuschreibung kreist, also auch um die Erklärung von Kunst. Seine Werke sind eher Bemerkungen im Sinne Wittgensteins, die jede eindeutige Zuschreibung von Bedeutung an einen einzelnen Gegenstand unmöglich erscheinen lassen. Die Welt sich anzueignen und zu begreifen sind dabei zentrale Momente seiner Wort-Bild Schöpfungen, die dem Betrachter als Vokabular zur Verfügung gestellt werden und durch Un-Eindeutigkeit ebenfalls als „kritischer Zustand“ der Form gelesen werden können.

Text: Harald Krejci


Fritz Panzer

1945 geboren in Judenburg, Steiermark, lebt und arbeitet in Wien.

Einzelausstellungen (Auswahl): 2014 Fritz Panzer, Krobath Wien. 2010 PASSAGEN 01 - Fritz Panzer, Stadtmuseum Graz. 2009 Fritz Panzer, Krobath Berlin. 2008 Doppelgänger, Kunsthaus Mürzzuschlag, Mürz. 2005 Das Dilemma der Dinge in Malerei, Zeichnung und Skulptur, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2016 Fritz Panzer/Josef Bauer, Krobath Wien; Zeichnung in den Raum, Kunst im Traklhaus, Salzburg. 2015 Zeichnung ins Dreidimensionale, Musées d’Art Moderne, St. Etienne; Drawing Now - Albertina, Wien; Piano Pieces. Klaviere. Klänge. Kunst, Neue Residenz. Museum Salzburg. 2014 Ugo Rondinone. Künstler und Dichter, Sezession, Wien; Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, Nordico Stadtmuseum Linz.

Josef Bauer

1934 geboren in Wels, Oberösterreich, lebt und arbeitet in Linz und Gunskirchen, Oberösterreich.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2013 Josef Bauer - 1965 bis heute, Grazer Kunstverein, Graz. Josef Bauer, Museum Angerlehner, Thalheim bei Wels. 2008 Taktile Poesie, Galerie im Europahaus, Pilsen.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2016 Fritz Panzer/Josef Bauer, Krobath Wien; Die Sprache der Dinge, 21er Haus, Wien. 2015 Landschaft: Transformation einer Idee, Graz; Destination Wien, Kunsthalle, Wien. 2013 Die Sammlung #3, 21er Haus, Wien. 2012 Utopie Gesamtkunstwerk, 21er Haus, Wien. 2011 Das 20. Jhd. in Oberösterreich, Kultur und Kunstgeschichte, Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz.