Thomas Baumann

01.04.–21.05.2005

Play The Door Of Psycho

„Der Mann am Schaltkasten ist Künstler. Er tarnt sich als Elektr(on)iker, Mechaniker, als Techniker und Kybernetiker. Sein Rohstoff ist der binäre Code, was sonst noch gebraucht wird bezieht er aus Eisenwarenhandlungen und Baumärkten, aus elektromechanischen Werkstätten und der peripheren Computerkonfektion. Der Mann am Schaltkasten bietet Branchenlösungen für den Kunstbetrieb an. Er transferiert Formen und Materialien des Funktionalen in den Kunstkontext. Wobei das sogenannte ‚autonome’ Objekt, die in sich ruhende Skultpur, sein Ding nie war. Er koppelt, verschaltet, verbindet. Isolierfolie mit Antennen, Kunststoffrohre mit Uhrwerken, Federstahlbänder mit Motoren. [...]
Thomas Baumanns künstlerische Spannweite ist bezeichnend für eine Methode der Vernetzungen und der Zirkulation durch die Kunstgattungen. Unter der Prämisse Malerei, Skulptur, Film sucht er nach strukturellen Berührungspunkten von materiellem und mentalem Raum, den Sachverhalten konkreter Situationen und konzeptuellen Fragestellungen. Mit Hilfe opulenter Instrumentarien, die neben den klassischen die Tradition als den Freestyle von Computertechnik bis zur Physik verzeichnen, entfaltet Thomas Baumann eine entschiedene Logistik für seine künstlerische Fracht. [...]
Eine raffinierte Kombinatorik von Materialität und simultan dazu stattfindendem Ereignis streicht das Statische aus dem Vokabular. An seine Stelle treten Sound und Bewegung, Verfahren von Beschleunigen und Verlangsamen. Aus der Tiefe des Raums tritt die offensichtlichste Instanz künstlerischer Synchronisierung: die Zeit.“

aus: Brigitte Huck - „Starts“, Thomas Baumann, Schlebrügge.Editor, 2005

Der Titel der Ausstellung bei Krobath Wimmer bezieht sich auf die Arbeit „Play The Door of Psycho“, eine mit Stahlsaiten verspannte Tür, deren Saiten gezupft werden können; eine Kiste aus Holz dient als Resonanzkörper; mittles eines Wagenhebers kann die Tonhöhe reguliert werden. Die zerstörte Skulptur von 1998 wurde weiter entwickelt und 2005 für die Ausstellung neu produziert. Der
Titel verweist auf Hitchcock’s Film „Psycho“, auf die Tür des Schlafzimmers von Norman Beates.

Zeitgleich zur Ausstellung erscheint der Katalog THOMAS BAUMANN: 160 Seiten, ca. 200 Abbildungen, deutsch/englisch, mit Texten von Manuela Ammer, Thomas Baumann, Katrin Bucher, Brigitte Huck, Erich Klein, Julie Ryan und Katia Schurf. Schlebrügge.Editor, 2005