Katrina Daschner

02.03.–21.04.2012

DASCHNER

Um die Traditionen und Differenzen der Burlesque weiß die Künstlerin Katrina Daschner mit ihrer Installation in der Galerie Krobath Berlin zweifellos Bescheid, wenn sie ihre performative und theatrale Praxis in den Ausstellungsraum transferiert - und dabei über diesen Transfer reflektiert.

Das Geheimnis der Burlesque liegt im gelungenen Timing: die Präzision in der dialektischen Performance von exzessivem Zeigen und gleichzeitigem Verbergen, Andeuten und Aufschieben sowie Affirmieren und Differenzieren sexualisierter Codes und Gesten. Erlaubten sich schon die klassischen Inszenierungen in den Varietés der 1930er Jahre durchaus humorvolle Einblicke in ihre Dramaturgie, lustvolle Momente der Desillusionierung, dann werden diese in der queeren Neo-Burlesque genutzt, um Genre wie Gender gleichermaßen zu dekonstruieren und etwa queere Femmeness genüsslich zu feiern.
Neben dem von ihr gehosteten CLUB BURLESQUE BRUTAL (CBB), eine wichtige Protagonistin der queeren Neudefinition des Genres, entwirft Daschner mit ihren Arbeiten eine «performative Arena» (Christa Benzer), auf der identitäre und sexuelle Machtverhältnisse zum Tanzen gebracht werden.

In der Ausstellung, die den plakativen Titel DASCHNER trägt, geraten Chiffren der „Burlesque Brutal“ in die Arena: ein neon-gelbes Poster, das Shows der «Queere Femmes on Tour 2012 - CBB» ankündigt und gleichsam dokumentarisch auf die reale burlesque Praxis verweist; eine hyperrealistische Skulptur in Bronze mit dem Titel Walküre (Frau Professor La Rose), der man auf einem Sockel stehend auf Augenhöhe begegnet; sowie 7 gerahmte Stickbilder, die verschiedene Bühnenentwürfe und -situationen skizzieren.
Lakonisch, minimalistisch und nahezu mathematisch dokumentieren diese gestickten Zeichnungen (Silber Glitter, Lichtstrahl, Bertha, Las Vegas, Projektion, Position Drehbühne, Walkürenritt) die präzise Geometrie des Glamours, sie entzaubern die Illusionsmaschinerie der Burlesque und finden dabei gleichzeitig eine künstlerische Form für die Darstellung performativer Praktiken jenseits des immer nachträglichen Dokumentarischen. Mit diesen gestickten Bühnenarchitekturen definiert Daschner einmal mehr das Textile «quer zur (patriarchalen) Ordnung der Handwerke, der Künste und Sinne» (Stefan Neuner).
Als kalkuliert brutaler Kontrast zu diesen Abstraktionen des Burlesquen steht die skulpturale Personifikation von Frau Professor La Rose (Daschners aktuelle Persona auf den Bühnen des CLUB BURLESQUE BRUTAL und in ihren letzten Filmen) in schwerer Bronze, plastisch und realistisch, eine Referenz auf «the real thing», den burlesquen Körper, der sich herausfordernd mit all seinem Gewicht zum Anschauen und Anfassen anbietet – um sogleich stets entgegen zu blicken und immer aufs Neue auf einer anderen Bühne zu erscheinen.

Catrin Seefranz