Ursula Mayer

02.03.–13.04.2013

Gonda (30 Min., 16mm), nach einem Drehbuch von Maria Fusco

Der Film nimmt als Ausgangspunkt Ayn Rands Theaterstück Ideal aus dem Jahr 1937. Die kontroverse russisch-amerikanische Autorin und Philosophin behandelt in diesem Werk ihre Philosophie des „Objektivismus“, in dem hartnäckig anti-altruistische und individualistische Positionen vertreten werden. Als eine kritische Reaktion auf Rands Position widmet sich Gonda dem filmischen und linguistischen Raum und schafft ein Kaleidoskop, in dem es zu Verschiebungen der Rollen von Bild, Text und Geräuschen kommt und vorgefasste Meinungen über Identität und Existenz herausgefordert werden. In Anspielung auf den filmischen Blick, der auf uns gerichtet ist, setzt Mayer eine hoch stilisierte Bildsprache ein, die an eine Diavorführung mit präzise komponierten, schwebenden Bildern erinnert. Mit Gonda treibt die Künstlerin ein Spiel mit dem Publikum und stellt die gegenseitige Abhängigkeit von der Affirmation zur Schau. Der Film experimentiert mit einem polyphonischen Monolog der Titelfigur Gonda, die von dem niederländischen Transgender Model Valentijn de Hingh gespielt wird.

Das Drehbuch wurde im Rahmen mehrerer interdisziplinärer Workshops entwickelt. WissenschaftlerInnen, KuratorInnen, KritikerInnen und AutorInnen waren eingeladen, sich in einem kreativen und kritischen Prozess mit Ideal auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Workshops sollten die Möglichkeiten erörtert werden, wie anhand oder mithilfe von Rands Stück – und nicht darüber – geschrieben werden kann. Auf der strukturellen Textebene bezieht sich das Drehbuch in erster Linie auf Félix Guattaris nie realisierte Produktion von 1986, Project for A Film by Kafka. Darin schlug Guattari eine Fernseh-Miniserie über Episoden aus Kafkas Leben und Schreiben vor. Das finale Drehbuch verwertet neuen Stoff, vermischt transkribiertes Workshop-Material mit fünf in Briefform verfassten Passagen aus Ideal und verpasst ihnen unterschiedliche Personalpronomen. Das Ergebnis ist Gonda, ein Film dieser Stimmen.