Shimmering, curated by Rike Frank

03.10.–08.11.2014

curated by_Vienna 2014: The Century of the Bed

„Shimmering"
curated by Rike Frank

Display: Julian Göthe

Eric Bell & Kristoffer Frick (beide/both *1985, l. in Berlin)
Gerry Bibby (*1977, l. in Berlin),
Ernst Caramelle (*1952, l. in Karlsruhe, Frankfurt am Main und/and New York)
Isa Genzken (*1948, l. in Berlin)
Julian Göthe (*1966, l. in Berlin und Wien/and Vienna)
Jiří Kovanda (*1953, l. in Prag/Prague),
Dorit Margreiter (*1967, l. in Wien/Vienna)
Sarah Pierce (*1968, l. in Dublin)
Kirsten Pieroth (*1970, l. in Berlin)

Ein wesentliches Charakteristikum des Bettes ist, so ließe sich behaupten, sein Changieren zwischen persönlicher und kollektiver Architektur: Mehr als jedes andere Möbel markiert es über seine manifesten Konturen hinaus einen Raum, der zwischen der Medialität einer gesellschaftlichen Bühne und der Vorstellung der Existenz eines uneinnehmbaren Ortes oszilliert.

Wenn nun dieses Kräfte- bzw. Spannungsverhältnis im Verlauf des Century of the Bed verschoben und die Architektur des Bettes in zunehmendem Maße von einer Logik erobert und strukturiert wird, die insbesondere die Regulierung des Selbst in den Blick nimmt, stellt sich die Frage: Wie diesem Blick entgegentreten, der auch innerhalb der Kunst zumeist auf das Bett – und selten aus diesem heraus – gerichtet war? Wie das Motiv entlang seiner widerstreitenden Eigenschaften transponieren?

Die Ausstellung setzt eine Reihe von Beiträgen zueinander in Beziehung, die mit unterschiedlichen Strategien das Changieren von Begrifflichkeiten und Erfahrungen – wie An- und Abwesenheit, Körper- lichkeit und Entkörperlichung, Mobilität und Immobilität, Rückzug und Teilhabe als Elemente einer Architektur reflektieren, aber auch konterkarieren. Der Fokus liegt hierbei auf dem Beziehungsnetz zwischen diesen Polen sowie der Beobachtung, dass durch eine Form stets auch eine andere, ihr konträre spricht.

In Mein Schlafzimmer in Prag (1993) beispiels- weise bezieht sich Dorit Margreiter auf das Schlafzimmer für meine Frau von Adolf Loos aus dem Jahr 1903, das entgegen dessen Prinzip, Interieurs seien nur real im Raum erfahrbar, als eine der wenigen fotografischen Reproduktionen für die öffentliche Zirkulation ausgewählt wurde. Margreiter setzt diesen Widerspruch in Beziehung zu der Aufforderung, während ihres Aufenthalts die Prager Gästewohnung in einen öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum zu transformieren. Für den Akt des Öffentlichwerdens konstruierte Margreiter im Vorraum der Wohnung eine Beamer-, sogenannte Teleportationskabine, in der silhouettenhaft, im Gegenlicht aufgenommen, die Fotografie einer Person erscheint, deren Anwesenheit das Import-und-Export-Verhältnis thematisiert, ebenso wie Subjektivität und die Rolle der BetrachterInnen.

Rike Frank lebt als Kuratorin in Berlin und lehrt Ausstellungspraxis an der Akademie für Bildende Kunst in Oslo.

Wir danken den Künstlerninnen und Künstlern, Etienne Descloux und folgenden Institutionen und Galerien: Sammlung Generali Foundation und Museum der Moderne Salzburg, Galerie Cinzia Friedlaender, Berlin; Galerie Buchholz, Berlin/Köln; Galleria Franco Noero, Turin; Galerie Nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien; Silberkuppe, Berlin.