Julian Opie

07.06.–27.07.2013

Die Landschaftsdarstellungen von Julian Opie beziehen sich auf konkrete Lokalitäten, die in animierter oder statischer Funktion in den einzelnen Arbeiten zu tragen kommen. Die Reduziertheit der Form begründet sich in der Abstraktion des 20. Jahrhunderts, die mithilfe des Computers weiteren Veränderungsmechanismen unterworfen wird. Letztere lässt sich aber auch mit der Tradition japanischer Farbholzschnitte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Verbindung bringen, die durch jene Umrisshaftigkeit gekennzeichnet ist, die sich auch in Opies Arbeiten widerspiegelt. In seiner Ausstellung im Wiener Museum für Angewandte Kunst zeigte Opie 2008 beispielsweise die Animationsarbeiten Eight Views of Japan, die an die Landschaftsdrucke von Utagawa Hiroshige (1997-1858) erinnern. Diese sind auch in der Sammlung des British Museum vertreten und forcierten die Auseinandersetzung des Künstlers mit diesem Thema. Opie fuhr jedoch selbst durch die japanische Landschaft, um daraufhin bildliche Vorlagen für seine Arbeiten zu erstellen, in denen er auch die oftmals replizierte Darstellung des Mount Fuji einfließen ließ.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Krobath zeigt Opies neueste Landschaftsarbeiten, die als Stills oder animierte Momente auf die minimal wahrnehmbaren Veränderungen beim Passieren einer Landschaft Bezug nehmen. Die Flächigkeit der Umgebung reflektiert in diesem Fall die sich über Kilometer erstreckenden grünen Wiesenflächen und die sich dahinschlängelnden grauen Straßenzüge und erzeugt jene Leere, die sich in solchen Situationen einstellt. Die animierten Landschaftsbilder werden dabei in eine Endlosschleife überführt, wodurch die Monotonie, die solchen Momenten innewohnt, zusätzlich erhöht wird. In Detaileinstellungen nähert sich Opie Bäumen an, die per Computer animiert werden und auf LCD Screens stille Bewegungsabläufe demonstrieren. Apple Tree, Evening Sun oder Shooting Star nennen sich jene Arbeiten, die im Hochformat das Verhältnis zur abgebildeten Landschaft symbolisieren und in diesem Fall die Nuancen des sich verändernden Blaus des Himmels im Gegensatz zu den grünen Feldern in den Querformaten in den Vordergrund stellen.

Die hier gezeigten Werke stellen auch Verweise zur Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts her, die die Unmittelbarkeit naturgebundener Idyllvorstellungen vermitteln, die menschenunberührt ins Bild zu treten scheinen. Weiters lassen sich bei Opies Landschaftsdarstellungen Einflüsse aus dem Werk des niederländischen Malers Jacob Isaakszoon van Ruisdael finden, einer der einflussreichsten Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts aus Haarlem. Seine Arbeiten rekurrieren besonders auf Waldszenen und die exakte Wiedergabe von Baumdetails, die auch in Opies Werken zu finden sind. Opie bezieht sich auf jene kunsthistorischen Traditionen, dekonstruiert diese jedoch durch seine signifikante Computer-unterstützte Technik, die den Details auf den Grund geht. Gegenwärtige Tools wie Google Maps oder Google Earth sowie Computerspiele dienen als Unterstützung bei der jeweiligen Visualisierung. Slow-motion Effekte helfen dabei, um zwischen statischem und bewegtem Bild zu oszillieren, wodurch sich ein Trompe-l’œil Effekt einstellt, der eine nähere Betrachtung der Werke ermöglicht. Ruhig und kontemplativ zugleich spiegeln die Werke die Empfindungen der BetrachterInnen beim Blick auf die jeweiligen Landschaften wieder.

Walter Seidl