Haleh Redjaian

08.11.2019–29.02.2020

Redjaians neuestes Werk steht unter dem Einfluss ihrer Lektüre von Poetik des Raumes des französischen Philosophen Gaston Bachelard. Bachelard war ein Vertreter der Phänomenologie und überzeugt, dass zwischen einem aktiven Geist und seiner Umwelt eine dynamische Wechselwirkung besteht. Er führte eine systematische Analyse oder „Topoanalyse“ von „dem Raum, den wir lieben“ durch. Am Anfang seiner Analyse steht das Haus, das seiner Meinung nach immer mehr als eine rein funktionale Konfiguration orthogonaler Flächen ist. Damit verbundene affektive Erfahrungen durchbrechen zweifellos die strukturelle Strenge derartiger Räume und schaffen dadurch Raum für Poesie. Redjaians Annährung an das Raster ähnelt Bachelards Analyse des Hauses. In ihren Zeichnungen auf Papier, Textilarbeiten, Wandmalereien und Faden-Installationen ist das Raster nie absolut dominant, aber auch nicht rein funktional. Sie verwendet fertige oder auch handgezeichnete Raster und Linien als Rahmen für ihre geometrischen Arbeiten.
In ihren Textilarbeiten, dienen traditionelle Teppiche als Grundlage für ein komplexes, vielschichtiges Gefüge aus Fäden, die Redjaian sorgfältig an der Oberfläche anbringt, um damit abstrakte Muster zu gestalten. Während bei Teppichen üblicherweise die bunten Fäden hineingewoben werden, legt sie die Künstlerin obendrauf und stickt sie lose auf den eigentlichen Teppich. Indem sie Unregelmäßigkeiten und Abweichungen in dieser sonst strengen Ordnung zulässt, erkennt die Künstlerin die allgegenwärtigen und unvorhergesehenen Unwägbarkeiten an, die unser unbegreifliches Leben ausmachen.

Übersetzung: Dr. Mandana Taban


Biographie / Biography:
1971 geboren / born in Frankfurt/M, D. Lebt und arbeitet in Berlin / Lives and works in Berlin.

Einzelausstellungen (Auswahl) / Solo shows (selection):
2019 Points, Lines, Planes, Krobath Wien, A. 2018. Chinamen of Oklahoma, Haleh Redjaian & Mathias Prenen, Whitehouse Gallery, Lovenjoel, B. Inhabiting the grid, Gallery Isabelle van den Eynde, Dubai, UAE. 2016 in- sequence II, Federkiel München, D. in- sequence, Magazin 4, Kunstverein Bregenz, A. Verknüpft, Haleh Redjaian und die Sammlung, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, D. 2015 Up on the toe the air is thinner, Arratia Beer Galerie, Berlin, D. 2013 Friday Night Lights, Sox, Berlin, D. Straight As A Line, Little Krimminals lV, Berlin, D.

Gruppenausstellungen (Auswahl) / Groupshows (selection):
2019 Cross the Line, Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf, D. 4 x 3: BAUHAUS, Alte Feuerwache, Berlin, D. Century-idee Bauhaus, drj. dr julius Galerie, Berlin, D. 2018 High Noon, Arratia Beer Galerie, Berlin, D. Kaleidoskop Worpswede, Haus im Schluh, Worpswede, D. Jaou, Earth Pavillion curated by Khadija Hamdi, Tunis, Tun. 2017 Out of Office, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, D. 2016 Kaleidoskop, l’oiseau présente…,Ballhaus Ost Berlin, D. Emak Bakia “curated by…”, Bettina Steinbrügge, Krobath Wien, AT. 2014 SIEBEN ,Aktuelle Positionen aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter, Waldenbuch, D. Flash Frozen Fire, Haleh Redjaian, Alexander Wagner, Heimo Zobernig, ARRATIA/BEER, Berlin, D.