Anna Meyer

09.09.–18.10.2003

Dort und hier. Wir befinden uns auf einem Bazar in Ägypten und gleichzeitig vor dem 20er Haus in Wien, einem ehemaligen Ableger des Museums Moderner Kunst. Anna Meyer hat Karl Schwanzers berühmten Weltaus-stellungspavillon aus dem Jahr 1958 nachgebaut und stellt diesen als Modell erneut zur Diskussion. Das 20er Haus war in seiner früheren Geschichte über vierzig Jahre lang ein bedeutender Ort der österreichischen Nachkriegskultur und besonders der Avantgardekunst. Heute allerdings bröckelt außen die Fassade, und für den inneren Bereich bleibt zunächst abzuwarten, welche Funktionen dem Museum in Zukunft übertragen werden. Wenn Anna Meyer nun in ihrem Video diesen modernistischen Ausstellungspavillon vom Wind davontragen lässt, so weist sie damit sowohl auf die Brüchigkeit von so dominanten Trägerstrukturen wie Modernismus und Architektur, als auch indirekt auf deren gesellschaftliche Implikationen.

Die Eingangssituation der Galerie Krobath Wimmer ist analog dazu von einem Ensemble neuer Ölbilder bestimmt, die den Ausstellungstitel „schach“ zu erklären scheinen. Auf dem Boden liegt ein überdimensionales, begehbares Schachbrett, das mit mehr als zehn Spielfeldern auf einer Seite und den Farben rot-weiss eindeutig symbolischen Charakter aufweist. Der bemalte Linoleumbelag fungiert dabei als ein Boden auf dem Boden, mit dem ein neuer „Raum im Raum“ eröffnet wird. Das Schachbrettmuster in diesen neuen Bildern ist Thema und Ordnungsschema zugleich: Der rot-weisse Boden ist Teil eines ägyptischen Verkaufsraums, der halb im Freien liegt; Stühle zum Verweilen stehen am Rand, der Blick geht über einen menschenleeren Platz - und auch sonst ist die Szenerie fast gespenstisch leer.