Max Frey

10.09.–25.09.2014

Spekulationen im Raum
Zu den Arbeiten von Max Frey

Max Freys künstlerische Sprache basiert auf einer Auseinandersetzung mit Kinetik und Licht und untersucht die Wechselwirkung zwischen räumlicher Vorstellungskraft und der Dynamik, die seine Objekte in einem räumlichen Gefüge auslösen. Entgegen der Statik konventioneller Ausstellungsszenarien versuchen Freys Arbeiten spannungsgeladene Momente zu evozieren, die bei BetrachterInnen immer wieder Suspense Effekte erzeugen. So auch die zentrale Installation der aktuellen Ausstellung in der Galerie Krobath mit dem Titel „Kleine große Klappe“. Als Wortspiel zwischen aufbrausendem Gehabe und einer sprichwörtlichen Umsetzung handelt es sich hier um eine überdimensionale Raumklappe bzw. Platte, die an einem Seilgewinde nach oben gezogen und von einem Elektromagneten an der Wand festgehalten wird. Durch Bedienung einer Steuerung fällt diese Platte auf den Galerienboden und löst dabei eine Druckwelle im gesamten Raum aus. Der Vorgang ist interaktiv und kann von BesucherInnen hervorgerufen werden, wodurch die erstmalige Überwindung der Bedienung zu einer weiteren Überwindung des Knalleffektes führt. Durch diesen Eingriff wird der gesamte Raum zum Protagonisten der Arbeit, die von mehreren Einzelparametern abhängt. Bewegung, Sound und körperliche Erfahrung bilden das Resultat dieses künstlerischen Prozesses, der sich auf ein Raum-Zeitkontinuum ausdehnt. Bei BetrachterInnen werden Gefühle von Angst, Unbehagen und Verstörtheit ausgelöst, die die Erfahrung dieses Gesamtraumkunstwerkes, dessen Maße jeweils an die Ausstellungssituation angepasst sind, komplettieren.
Ein weiterer wesentlicher Strang in Freys künstlerischem Schaffen setzt sich mit dem Thema Licht und seinen Bewegungsmechanismen auseinander. Der Kowanz Schüler Frey versucht in zahlreichen Installationen Motor-gesteuerte Lichtmodule miteinander in Relation zu setzen, so dass das Licht als konstant veränderbares physikalisches Phänomen in ein Raum-Zeitkontinuum eindringt, das ständig neue Formationen, Muster und Bewegungsabläufe generiert. Die dabei entstehenden „Lampen“ oder „Lichtsäulen“ mögen in ihrer Gestalt an klassische Lichtbehelfe erinnern, deren Leuchtmittel jedoch einer motorischen Sensibilität unterworfen sind und vom Künstler so gesteuert werden, dass sich neue sphärische Dimensionen und Lichtformationen ergeben. So etwa die Arbeit „Overlapping Light Room“, bei der mehrere Lichtkegel und –module in ein gemeinsames Beziehungsgeflecht treten. Im Vordergrund stehen hier Farbspektren, die miteinander in Korrelation treten und ein Simulacrum erzeugen, das eine Interaktion aus Lichträumen generiert. Während in der Arbeit „Kleine große Klappe“ der Soundeffekt im Raum dominiert, sind es hier die visuellen Parameter, die ein spekulatives Raumgefüge in Bewegung halten und optische Sinneseindrücke simulieren. Bei BetrachterInnen werden in diesem Fall unterschiedliche bildliche Wahrnehmungsschemata erzeugt, die psychedelische Effekte und Sinnestäuschungen evozieren mögen.

Ein entscheidender Aspekt in Freys Kunst betrifft die unmittelbare Erfahrung der Werke vor Ort, die sich auf sämtliche Sinnesorgane erstreckt und multidimensional gedacht werden muss. Die Veränderbarkeit von Raum durch Licht und Bewegung lotet Frey in seinen Objekten und Installationen in gezieltem Maß aus, so dass der Ausstellungsraum bzw. Umraum in den Hintergrund tritt und die Arbeiten für ihre Rezeption nicht notwendigerweise eine White Cube Ästhetik benötigen. Wahrnehmung als zeitbasierendes Element steht im Vordergrund der Betrachtung, um Visualität als sich veränderndes Medium begreifen zu können.

Walter Seidl