Judith Eisler

11.06.–28.07.2001

Im Zeitalter der digitalen Reproduktion, wo fast jedes Bild mit unvorstellbarer Schärfe und Auflösung eingefangen, abgebildet und im Binärcode verbreitet werden kann, erschüttert Judith Eislers Arbeit unsere Überzeugung, dass man ein Bild durch dieses Ergreifen gewissermaßen beherrscht.

Judith Eisler arbeitet präzise. Sie schaut Videos - doch der Vorgang des Betrachtens (‚sich ein Bild machen') wird nicht vom Endprodukt gelöst, sondern erscheint als entscheidender Moment beim Bildaufbau. Pausentaste. Der Bildschirm flimmert. Während das Band angehalten wird, ist das Bild in seinem Kampf gegen das Angehalten- werden zu sehen - und an diesem eigenartigen Schnittpunkt zwischen Nicht-Bewegung und Bewegung fotografiert Eisler das, was am Bildschirm geschieht. Das damit eingefangene Zeitereignis ist ein Moment konzentrierter Zweideutigkeit, ein Moment gespannter Erwartung.


Ausgehend von der dreidimensionalen Ausgangsszene, über den gewölbten Fernsehschirm bis hin zum Photo- papier wird das Bild verflacht, dann wird es durch die aufgetragene Farbe wieder neu dimensioniert. Wenn es schließlich in seiner endgültigen Form erscheint, deutet das Bild bereits seine integrierten Zeitlichkeit an: das Potential für weitere Bewegung, weitere Evolution. Es treibt.

Dies stellt sich als entscheidender Blickwinkel für die Betrachtung von Judith Eislers Werken dar. Man kann nämlich ihre Gemälde nicht einfach als Transkriptionen von Filmen hinnehmen - vielmehr muss sich der Betrachter bemühen, zu verstehen, wie bequem das Fernseherlebnis eines auf Video gebannten Films am Fernsehbildschirm zuhause (mit der Möglichkeit zum Pausieren, Zurückspulen oder Überspringen von Textsegmenten) über die Vermittlung einer Fernbedienung erreichbar ist. Diese Manipulation bietet eine ganze Reihe potentiell "kreativer" oder quasi interaktiver Einwirkungsmöglichkeiten auf den Text.


Die subtile Sensibilität der Malerin für diese Innenräume - bedeutsam ist ihr Interesse an der doppelsinnigen Beziehung zwischen dem (häuslichen) Innenraum und der Welt direkt hinter der Bildfläche - weist einen möglichen Weg aus dem passiven Zuschauertums zu einem stärker gemeinschaftlichem, wissbegierigen Erleben.

Eisler geht hin zu einer halluzinatorischen Beziehung zu den Flächen des (bewegten) Bildes als dem reinen Abbild. Ihre Arbeit ist eine Meditation über das Zuschauertum der alltäglichen Art. Eislers bis an die Ränder der Leinwand getriebene, beeindruckende Innenräume bringen uns aus unseren Zimmern hinaus in einen virtuellen Raum, wo wir uns selbst als Zuschauer neu erdenken müssen.