Judith Eisler

11.06.–31.07.2003

Als Vorlage für Judith Eislers Bilder dienen Photographien von Szenen aus verschiedenen Filmen, wobei die Künstlerin die Photoaufnahmen direkt vom Video macht. Die ausgewählten Szenen stellen keinen direkten Bezug zu den jeweiligen Filmen dar, sie erforschen vielmehr Räume, Gesten und Strukturen.
Durch das Einsetzen verschiedener Medien (Kinofilm, Video, Photographie und Malerei) als Filter der Darstellung verwandelt Eisler ihre Bilder zu visuellen Erfahrungen. Die Grenze zwischen öffentlich und privat, Original und Kopie ist verschwommen. Der Ursprung der einzelnen Bilder wird hier irrelevant. Die Welt des Kinos wird als ein privates Traumkino neu definiert. Zusätzlich lässt eine gewisse Spannung zwischen den darstellenden und abstrakten Elementen jede Einstellung als eine existentielle Erfahrung neu entstehen.
Jede neue Erzählung, die entstehen könnte, verwickelt die Betrachter genauso wie die Künstlerin: sie bleibt offen, ihre Interpretation hängt von Zufall, Missverständnissen und Sehnsüchten ab. Eine cineastische Erfahrung zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl vom Einzelnen als auch von der Masse erlebt wird. Eislers Bilder deuten einerseits ein Schwindelgefühl und anderseits eine Sinnlichkeit an, die beide dem hintersten Winkel des Auges entspringen, das auf das Bildarchiv der Welt blickt.
Oft sind ihre Gemälde eine Folge von Darstellungen weiblicher Protagonistinnen. Ein erotisches Prickeln durchzieht jedes dieser Bilder und artikuliert sich durch Formen von Passivität, Aggression und Verlockung. In diesen Bildern versteht sich Erotik als ein Prozess, mit einer Geschichte, die durch Film, Erinnerung und Assoziation wahrgenommen wird, wie auch als eine unmittelbare Existenz, eine Gegenwart von Raum. Die Bilder bewegen sich zwischen halluzinatorischer Erzählung und malerischer Abstraktion, und zwar so, dass Bewegung und Erwartung entstehen. Mit Bildern, die als melancholisch und auch als unheilverkündend verstanden werden können, beweist Eisler durch ihren Umgang mit Farbe technische Perfektion und gleichzeitig Verspieltheit - eine Gratwanderung zwischen Illusionismus und Abstraktion. Bernard Yenelouis