Fritz Panzer

11.06.–26.07.2014

Die Arbeiten von Fritz Panzer rekurrieren auf Momente des Alltags, aus dem Gegenstände entnommen werden, die sich in Folge in abstrahierter Weise in Zeichnung, Malerei und Skulptur wiederfinden. Ob Küche, Auto, Lampe, Schuhschachtel oder Milchpackung, Panzer untersucht jene Gegenstände aus seinem persönlichen Universum, um diese in ihrer Formhaftigkeit zu ergründen. Die Umrisse der einzelnen Objekte werden auf das Wesentlichste reduziert, wobei sich in Panzers Werk der letzten Jahre unterschiedliche Grade der Abstraktion festmachen lassen und gewisse Formen manchmal nur mehr angedeutet werden.

Als signifikant für Panzers Werk gelten seit über einem Jahrzehnt jene Drahtskulpturen, die an Environments der 1960er Jahre angelehnt sind und raumgreifend das Umfeld des Künstlers reflektieren. Skizzenhaft werden hier Formen und Formate einzelner Objekte in schwarzem Draht nachgebogen und dabei neben den definierten geometrischen Kanten, Ecken, Rundungen und Biegungen, Drahtreste in die Umgebung freigesetzt, die die Skulpturen zu schwebenden Objekten werden lassen und ihnen eine Leichtigkeit im Raum jenseits gravitätischer Verhältnismäßigkeiten verleihen.

Wenn etwa Panzers Küchenenvironment aus dem Jahr 2000 noch genaue Details aller geometrischen Formen drahtförmig repliziert, zeigt seine aktuelle Skulptur eines Anhängers nur mehr schemenhaft Details der grundlegenden dreidimensionalen Strukturen des realen Objekts. Die Drahtführung lockert sich gegenüber der ursprünglichen Dichte und führt zu einer zunehmenden Abstrahierung des Raumes. Kunsthistorisch lassen sich hier etwa Parallelen zu den Arbeiten eines Karel Malich ziehen, der mit seinen Drahtskulpturen seit den 1960er Jahren die Abstraktion der Zeichnung in die Dreidimensionalität des Raumes überführt, jedoch von den utopischen Strömungen und Formgebungen der Zeit beeinflusst war. Auch bei Panzer gelten Zeichnung und/oder Malerei als Ausgangsmedium der künstlerischen Auseinandersetzung, die in weiterer Folge als räumliche Konstruktionen umgesetzt werden.

In der aktuellen Ausstellung bei Krobath werden Skulpturen, Zeichnungen und Malereien präsentiert, wobei vor allem letztere eine komplette Abstraktion hinsichtlich der dargestellten Objekte evozieren. Als unterscheidendes Moment zwischen Panzers Zeichnungen und Malereien gilt die Tatsache, dass in den Malereien immer wieder auch Farbe in den Vordergrund tritt, während die Bleistiftzeichnungen einem rein abstrakten Schwarz-weiß Schema unterliegen. Die Flächigkeit des Farbauftrags in den Malereien führt zu geometrisch abstrakten Farbebenen, bei denen die Realität des Dargestellten in den Hintergrund tritt und die Gegenständlichkeit der Objekte nur als ephemere Strukturen wahrnehmbar werden. Die Linearität der Bleistiftzeichnungen nimmt im Vergleich zu den Malereien direkten Bezug zu den Drahtskulpturen, da ihr Duktus jenem der Drahtführung entspricht und sich durch den minimalen Einsatz der schwarzen Strich- und Linienführung auf weißem (Hinter)Grund gleichzeitig eine räumliche Komponente einstellt.

Die in der Ausstellung präsentierten Motive variieren in den unterschiedlichen Medien. Neben dem dekonstruierten Anhänger ist als zweite Skulptur etwa eine Baustellenlampe zu sehen, deren Umrisshaftigkeit in ihrer Ausführung wiederum genauer definiert ist und durch die wegstehenden Drähte das Objekt in eine Roboter-ähnliche Figur verwandelt. Als Raum-Environment fügen sich Zeichnung, Malerei und Objekte in einen Gesamtkomplex der Auseinandersetzung mit dreidimensionalen Strukturen und der Definition von Räumlichkeit in medial unterschiedlichen Abstraktionsebenen.

Walter Seidl