Martin Eiter

13.09.–30.10.2002

Malerei und Photographie sind die beiden Pole, zwischen denen Martin Eiters künstlerische Produktion oszilliert. Seit Beginn der achtziger Jahre arbeitet er in diesem Zwischenbereich, konzentriert sich bald verstärkt auf das eine, bald auf das andere Medium, ohne doch einem von beiden deklariert den Vorzug zu geben. Vielmehr sind Malerei und Photographie für ihn einander ergänzende Ausdrucksmittel, die er komplementär einsetzt, um die „Erfahrungsräume" des Sehens auszuloten.

Gewiß ließen sich zwischen den Resultaten beider Möglichkeiten Affinitäten, Überschneidungen, Berührungspunkte auffinden: am augenfälligsten sicherlich das Tendieren zu Gestik und Abstraktion bei gleichzeitigem Vorhandensein eines assoziativen Freiraums, der indirekt auf visuelle Erfahrungen und Wahrnehmungssituationen verweist, die zum Zustandekommen des jeweiligen Bildes beigetragen haben (könnten).

Zumal in Eiters meist lichtfarbiger Acrylmalerei lassen sich in den Helligkeitsunterschieden, Licht- und Schattenverläufen und -gewichtungen ein Fließen, Rinnen und eine Wäßrigkeit ausmachen, die wie Spuren auch in den Photographien angelegt scheinen. Dort wiederum sind beispielsweise Schneeflächen, Felsoberflächen, Wasserläufe, Gebirgsrücken, Geröllhalden erkennbar und doch abstrakt, etwa wie die Situation einer hellen Mondscheibe über der Silhouette eines Waldstücks - zudem entsteht durch längere Belichtungszeit ohne Stativ ein Zustand der Verschwommenheit und Unschärfe.

Allerdings geht es Martin Eiter weder um die detaillierte Abbildung respektive die Illustration von Landschaft oder Natur (wenngleich diese Erfahrung für den passionierten Gebirgswanderer einen wichtigen Impuls darstellt) noch um die Manifestierung eines Romantizismus mit den Mitteln von Malerei oder Photographie. Sei es in der Malerei, sei es in der Photographie handelt seine Arbeit bald mit weniger, bald mit mehr Referenz zu einer dinglichen Realität vielmehr von Oberflächenstrukturen und daraus resultierenden (bisweilen unmöglich erscheinenden) Lichtsituationen, die ihrerseits wiederum „andere" Assoziationsräume eröffnen.

Eine entscheidende - die beiden Medien letztlich verbindende - Rolle spielt hierbei nicht zuletzt die absichtsvolle Bewegung der Kamera. Indem sie nämlich die Zeit als Element ins Spiel bringt, ist sie der (ebenfalls die Zeitdimension markierenden) Bewegung des Pinsels vergleichbar - mit dem kleinen Unterschied, daß die Bewegung der Kamera die scheinbar gesicherte repräsentative Aufgabe der Photographie dezidiert unterminiert. In dem Sinn also zerfällt Martin Eiters Arbeit keineswegs in die Stränge Photographie und Malerei, sondern macht vielmehr Berührungspunkte wie auch Unterschiede zwischen den beiden Medien sichtbar.

Johanna Hofleitner