Julian Opie

13.09.–29.10.2019

Drei Figuren, die mit Wasserstrahl aus einer dicken Bronzeplatte geschnitten und so schwarz gefärbt sind, dass sie wie Schatten aussehen; sie stecken in niedrigen Steinsockeln, wie Spielzeugsoldaten. Jede Figur steht für eine Person, die man fast überall antreffen könnte, die aber tatsächlich auf einer bestimmten Straße zu einem bestimmten Zeitpunkt gesehen wurde, als sie z.B. an der Ampel oder auf einen Zug wartete. Bronze und Stein sind langlebige Materialien, die aber hier eine flüchtige Beobachtung festhalten, einen von hunderten, tausenden Klicks einer Kamera. Die tiefschwarze Farbe zeichnet die Umrisse der Figuren im Raum und lässt alles, was hinter dem Werk steht, in dem Fall die Galeriewand, weiß. Aus schweren, teuren und handfesten Materialien von Kriegsdenkmälern oder Friedhöfen entstehen schwebende Darstellungen von flüchtig erblickten Fremden.

Die dargestellten Personen könnten AusstellungsbesucherInnen sein, und in dem Fall würden sie die drei großen Portraits betrachten, die an der Wand hängen. Die Portraits sind aus spritzlackiertem Aluminium gefertigt, wie es beim Auto- oder Schiffsbau verwendet wird, und das Bild entsteht dadurch, dass verschiedene Farben in Schichten aufgetragen werden, wie etwa ein Filzaufnäher oder ein erhabener Schriftzug an einem Schiffsrumpf. Diese Methode der umgekehrten Schnitzerei habe ich bei ägyptischen Reliefmalereien kennengelernt. Bei meiner letzten Ausstellung in der Galerie Krobath waren die gezeichneten schwarzen Linien vor den Farben, aber jetzt sind die Bilder wie ein Negativ, wo die farbigen Flächen die oberste Schicht bilden. Dadurch kann ich zur Gänze auf den Hintergrund verzichten, so dass die Köpfe in den Portraits wie flache Skulpturen direkt an der Wand sitzen.

Die Köpfe blicken die BetrachterInnen nicht direkt an, wie es bei einem klassischen Portrait der Fall ist. Vielmehr sind sie von der Seite abgebildet, so als ob das Personen sind, die an uns vorbeigehen, die Wand entlanggleitend. Fremde, die uns ignorieren und bald weg sein werden. Das Einzige, was in Erinnerung bleibt, ist das Aufleuchten einer Farbe oder die Ahnung von einem bestimmten Typ oder bestimmter Kleidung – eben wie die Leute, die draußen auf der Straße an der Wiener Galerie vorbeigehen. Die mit der Maschine geschnittenen Linien und vom Computer gezeichneten Formen lassen leicht zugängliche Bilder entstehen, die an die neutrale Autorität von öffentlichen Schildern erinnern. Dennoch scheint das individuelle Charakteristikum der einzelnen Personen diese Abstraktion zu überstehen und vielleicht sogar dadurch noch betonter, klarer und deutlicher zum Vorschein zu treten.

Julian Opie