Monica Bonvicini

14.09.–03.11.2001

Die Ausstellung thematisiert das romantische Bild des Rebells. Der legendäre Rebell der Rock Musik, der unbeliebte Rebell der G8 Demonstration. Der Rebell "with or without cause". "Damaged" ist die passive und Kult-Figur des Rebells. Er verfügt über eine reiche Historie, die mit dem modernen urbanen Stadtbild Anfang des Jahrhunderts beginnt. Als man um 1880 die "Platzangst, Platzscheu, Phobie" diagnostizierte, war gerade Wien die Stadt, die den Bürgerlichen in Angst versetzten konnte. (Siehe bei Camillo Sitte, Architekt in Wien,1843 -1903) „In jüngster Zeit ist eine eigene nervöse Krankheit constatiert worden: die "Platzscheu". Zahlreiche Menschen sollen darunter leiden, d.h. stets eine gewisse Scheu, ein Unbehagen empfinden, wenn sie über einen größeren leeren Platz gehen sollen.) Das Phänomen betraf eher das Bürgerturm, die Armen reagierten eher mit einer Art Vagabondage… Gerade diese Art von sich in Räumen unwohl fühlen, also ständig das Gefühl zu haben, flüchten zu müssen, beeinflusste die ganze Beatnik Generation und den daraus entstehenden Rock & Roll-Kult des Rebells on the road. Die Zeichnungen erlauben eine assoziative und aber letztendlich positive, aktive Wahrnehmung solcher Begriffe: Zitate aus den 70-er und 90-er R&R Songs und allgemeine Aussagen über ein unbestimmtes Unbehagen (dem eigenen Körper, der Liebe, der Gesellschaftscodierung, dem Privaten und Öffentlichen gegenüber) fließen durch die Art der Hängung ineinander. Die Sprache ist aufgrund der verwendeten Buchstaben-Schablonen durcheinander gebracht, so wie die aus den Sätzen entstehenden Begriffe losgelöst aus ihrem Kontext sind. Eine Geometrie des Raumes (des dreidimensionalen, erlebbaren, architektonischen Raums oder des abstrakten Vorstellungsraumes), bzw. eine räumliche Geometrie des Unbehagens. Der Zaun ist eine punkige architektonische Abgrenzung. Alles, was man mit einer Absperrung assoziert, ist durch das Gate/den Zaun wieder zu erkennen, doch dieser Zaun ist mit den verzinkten Ketten "angezogen/verzogen/ gezogen". Der Zaun behält seine Härte, die aber durch das einfache Knoten der Ketten eher "hausfraulich" und durch den Glanz ironisch wird. Der Zaun und seine Sicherheits/Begrenzungsfunktion wird dekodiert und dekoriert. Die Ketten der Punks, der R&R Kings and Queens, die jetzt wieder in Mode sind, bedeuten mehr als Glanz. Wenn die Gates von Cady Noland noch Angst machten, noch Unterdrückung und Machtkontrolle angesprochen hatten, geht es bei diesem Zaun um die Möglichkeit, mit solchen Begriffen spielerisch, selbstbewusster und letzendlich agressiver umzugehen. (Monica Bonvicini)