Otto Zitko

14.09.–22.12.2011

Die Kunst von Otto Zitko saugt sich im Kopf fest. Das geht jedem Betrachter so. Weil bei Zitko Linien, die scheinbar zügellos über die Oberflächen sausen, sich zu Bildern verbinden, verschlingen und verwirren, die genau das in sich tragen, was Jean-Luc Godard von einem guten Film verlangt: Sie haben einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Aber eben nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Im Vorwort zum Buch ”Otto Zitko - Me, Myself and I” erzählt Tom Trevor die Geschichte vom kleinen Buben, der im Schreibheft eine schöne Handschrift üben sollte und dabei immer wieder ausrutschte, weil ihm das Hinausgehen über den Rand viel interessanter schien als eine schöne Handschrift. „Natürlich wäre es verfehlt, Otto Zitkos Praxis einfach als ungehindertes Ausströmen eines wilden kindlichen Triebs zu sehen,“ so Tom Trevor weiter. „Nachdem er in der Schule das Schreiben erlernt hatte, übte Zitko als Teenager das Zeichnen durch Naturstudien und indem er Werke von Dürer, Rembrandt, Tintoretto und anderen nach Fotografien kopierte. Später begann er seine zeichnerische Praxis Schritt für Schritt zu erweitern, von kleinen Arbeiten auf Papier zu großformatigen Tafeln, um schließlich in das Innere architektonischer Räume vorzudringen.”

„Me, Myself and I”, das Buch, das anlässlich der Vernissage von Otto Zitko bei Krobath Wien präsentiert wird, ist eine Dokumentation dreier aufwändiger Bildarbeiten jüngeren Datums — Hamburger Bahnhof (Berlin 2009), Premium Point (Bukarest 2009) und eben Arnolfini (Bristol 2010), wo Zitkos raumfüllender Gestik einer Serie von kleinformatigen „writing-drawings”, also „Schrift-Zeichnungen” von Louise Bourgeois gegenübergestellt wurden.

Die Arbeit im Arnolfini Bristol ist die Ausstellung bei Krobath Wien. In Bristol nahmen Zitkos Linien drei Stockwerke in Besitz. In Wien werden zwei großformatige Bildtafeln gezeigt, die in Bristol Teil der zeichnerisch architektonischen Intervention waren, sowie eine Serie kleinformatiger Tafeln, die Farbstudien für die Wandbemalung von Bristol dokumentieren. Somit verschiebt sich das Verhältnis: die Bilder werden zur Wand, die Wand wird zum Bild.

Es ist sozusagen eine Konzentration. Die Konzentration einer dreidimensionalen Arbeit auf die zweite Dimension. „Sie stellen nicht die Installation an sich dar,” schrieb Jan Avgikos über Zitkos Tafeln, „sondern filtern die polarisierten Erfahrungen heraus, die für Zitkos Installationen charakteristisch sind.”

Eine neue Wandinstallation von Otto Zitko ist zur Zeit nur wenige Gehminuten von den Galerieräumlichkeiten entfernt im Museum Moderner Kunst zu sehen. Dieser zeichnerische Eingriff ins Raumgefühl der mumok Hofstallung ist Teil von Karola Kraus’ Ausstellung „Museum der Wünsche“.


Peter Krobath