Ines Doujak

14.11.2007–10.01.2008

Der Eintritt des Lebens in die Geschichte kann als Geburtsstunde der Moderne verstanden werden. Sowohl der individuelle Körper als auch die gesellschaftlichen Prozesse, die nun als biologisch determiniert aufgefasst werden, sind im 19. Jh. Gegenstand der modernen Regierungsrationalität. In der Moderne wird demnach der gesellschaftliche Handlungsraum nicht mehr bloß als Effekt ökonomisch-rationaler Beziehungen aufgefasst, sondern als natürlicher Lebensraum definiert, der gegenüber inneren und äußeren Gefahren verteidigt werden muss.

In der Perspektive der modernen Biomacht lassen sich diese gesellschaftlichen Gefahren nur in rassistischen Kategorien identifizieren. Physiognomische Eigenschaften, die den "ursprünglichen" Erscheinungsbildern "gefährlicher Menschentypen" zugeordnet werden, führen so zu gesellschaftlichen Stigmatisierungen und Ausgrenzungen. Der biologistische Rassismus ist dem Geflecht der modernen Wahrheitsregimes immanent, dessen Kontingenz kann ausschließlich durch eine kritische Haltung sichtbar gemacht werden.

Ines Doujaks Arbeiten greifen in vielfacher Weise den Kontingenzcharakter der Moderne auf: Sie lassen sich als Objekte lesen, die erst durch ihre Relationalität und formale Übereinstimmung eine willkürliche aber situativ gültige Wahrheit erschaffen. Sie repräsentieren so die theatralische Dimension von Wahrheitsregimen. (Sophia Prinz)
In ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Krobath Wimmer zeigt die Künstlerin eine Zusammenstellung von Werken aus den Jahren 2004 – 2007.