Esther Stocker

17.01.–03.03.2001

Mich interessieren Bilder als Systeme, Wahrnehmungs-systeme. Das Thema mit dem ich mich beschäftige ist die Beschreibung des Menschen in einem Bild, hauptsächlich dem Portrait.


Der Hauptteil meiner Arbeit ist ein Portrait, über das ich seit ca. vier Jahren arbeite. Was mich ursprünglich an dem Gesicht fasziniert hat, z.B. eine offensichtliche Asymmetrie des Gesichtes, waren ganz andere Aspekte, als die, die ich schließlich bearbeitet habe. Das Gesicht ist vielmehr zu einem Beispiel geworden.

Es geht bei der Bearbeitung dieses Portraits um den Wahrnehmungsprozess, um das Thema der Wiederholung, um das "Bild im Bild" Problem oder um das Verhältnis des Einzelteils zum Ganzen.

Normalerweise sind Gesichter überschaubar, man weiss, wo sie anfangen und wo sie aufhören, man weiss was das Gesicht und was der Hintergrund ist und wo man hin- schauen soll. Ich habe das oft als Manipulation betrachtet, da man meistens keine andere Wahl hat, als es auf eine bestimmte Art und Weise anzuschauen. Es gibt diese Befriedigung, Beruhigung in gelenkten Bahnen zu sehen oder zu denken.

Ich versuche ständig, gegen eine Logik zu arbeiten und gehe dabei nach einer Art Logik vor. Es gibt ungefähre, veränderbare Regeln, etwa die Gleichwertigkeit einzelner Bildteile, die Defocussierung, die Autonomie der einzelnen Bildteile, die bestimmte Modulgrösse, ..., die eine möglichst einfache Grundsturktur als Ausgangspunkt fuer komplexe Ideen bilden.

Ich frage mich was Menschen dazu bringt, mich zu fragen was sie sehen sollen. Das irritiert mich. Mir gefällt dieser Satz: "Die Tarnung von Tieren beruht auf der Wahrnehmungsbeschränkung ihrer Raeuber." (Bela Julez, Texturwahrnehmung).

Innerhalb der Kunst existiert eine ebenso konditionierte Wahrnehmung, eine Kunstleseart, ein eingeschränktes Sehen innerhalb des Kunstkontextes. Die Tarnung der Bilder könnte auf der Wahrnehmungsbeschränkung ihrer Betrachter beruhen.
Esther Stocker, 2000