Anna Meyer

18.01.–25.02.2006

Anna Meyers Ausstellung „INTERNETIONALE“ vereint in einer raumgreifenden Installation Malerei und Modelle, die jeweils in Bezug zueinander (ent)stehen.

>Planet Vision< oder wie die Erde über sich selbst nachdenkt. Zur Arbeit von Anna Meyer

Modelle appellieren an unsere Vorstellungskraft. Wie könnte und würde etwas sein oder aussehen? Gleichzeitig dienen sie auch der Re-Konstruktion. Im Modell kann Realität im kleinen Maßstab inszeniert und imaginiert werden. Visionen und Utopien werden im Modell Realität.
Die Modelle von Anna Meyer untersuchen unser modernes Leben in den Städten. Aus Parfümflaschen, Lippenstiften, CDs und angesammeltem Krimskrams baut und bemalt Meyer dichte, bunte, sprudelnde Stadtmodelle. Da gibt es eine Ober- und Unterwelt mit geldfressenden Monstern, Dinosaurier durchqueren dicht bevölkerte Straßen, auf Werbescreens erscheint die Weltkugel. Geld wird zum Pflaster. Astronauten und Buddhas, zum Logo erfroren, erinnern an Transzendenz und Tradition, die in ihrer überlebensgroßen Erscheinung den städtischen Alltag zu betrachten (und zu mahnen) scheinen. Dass es sich hierbei um Stadt-Visions-Modelle von Tokio handelt, ist Auslöser und Bestandteil der Arbeit, jedoch könnten die Miniaturwelten und Ausschnitte auch zum Teil auf die zeitgenössische Großstadt übertragen werden. Anna Meyer sagt selbst zu ihren Stadtbühnen: „Die universale Vielschichtigkeit der Städte, in denen sich der schillernde Konsumrausch behände in Müll hin und zurück verwandeln lässt, deutet darauf hin, dass alles miteinander verbunden ist.“ Miteinander verbunden sind auch Meyers Modelle und ihre Malereien, die zum Teil mit gleichem Namen zu einer settinghaften Einheit verschmelzen. Für Meyer ist das Modell eine Möglichkeit die gegenständliche Malerei in Gegenstände zu transformieren – „ein Zwischending. Malerei im schimmernden Zwielicht. Eine Möglichkeit, humorvoll zu sein.“ Meyer geht der Realität und ihrem Kreislauf der Städte nach und verleiht ihnen durch die Hinzugabe phantastischer Elemente wie dem >Erdlogo< etwas Surreal-Utopisch-in-die-Zukunft-Weisendes. „Die Erde spiegelt sich im Himmelsscreen als Symbol auch für die globale Gleichschaltung. Die internetionale Gedankenübertragung die sich rund um den Globus vollzieht, über die Bildschirme läuft und in unseren Körpern weiter mutiert, in der Schnelligkeit erstarrt.“ BetrachterInnen ihrer Arbeiten können gedanklich zwischen bemalten Konsummüllhochhäusern spazieren gehen und sich selbst darüber Gedanken machen, wohin die Überfrachtung, die Überfüllung, Medialisierung des >world wide wash salons< (Titel eines Modells) eventuell führen können?

Julia Schäfer, Kuratorin, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig