Rosa Hausleithner

18.01.–27.02.2019

„Die Durchbildung des Raumbegriffes hin zur abstrakten Flächengestaltung“

Gegenständlichkeit und die Formkonstanz von Objekten konstituieren den Bildraum, indem Beziehungen des Nebeneinander, von Vordergrund und Hintergrund, Verschiebung, Verdeckung, etc. sichtbar werden. Die Formkonstanz von Gegenständen, die wir räumlich deuten, auch wenn diese nur als flache Umrisszeichnungen auf eine Fläche gesetzt sind, erkennbar als Stühle oder auch, wie in früheren Werkserien von Rosa Hausleithner, als verräumlichte Schriftzeichen, lässt an die kunstgeschichtliche Betrachtung des malerischen Bildraumes denken. Demnach ist Malerei zunächst raum-deutend.

Aus frei vertieften Landschaften, in Szene gesetzten Figuren und bildparallelen Schichtungen, werden Malereien gefertigt, deren Referenzhorizonte die Bibel und das Unsichtbare sind. Mit der Renaissance wird der zentralperspektivisch geordnete Bildraum zum dominanten Prinzip der Bildgestaltung und ein Kriterium für den kunsthistorischen Wert eines Gemäldes, bis dann, im Umbruch ins 20. Jahrhundert, ein grundlegender Paradigmenwechsel einsetzt.

Der künstlerische Weg, den Rosa Hausleithner nach ihrem Studium der Bildhauerei bei Bruno Gironcoli an der Akademie der Bildenden Künste in Wien beschreitet, lässt sich parallel dazu als die Durchbildung des Raumbegriffes hin zur abstrakten Flächengestaltung beschreiben. Fragen von Räumlichkeit und Objekten, die ihre Werke anfänglich thematisieren führten zu Bildobjekten an Wänden und zu Raummodellen, („KALEIDOS“), die 1991 in der Secession ausgestellt waren. Später tritt die Plastizität der Bildobjekte zunehmend zurück und die raumschaffenden Mittel werden von der Malerei her entwickelt.

In Serien reflexiver Raumkonstruktionen beginnt so eine Umbildung, die mehr und mehr die Bildlichkeit und das, was Malerei vermag, betont. Reflexiv sind diese Gemälde in dem Sinn, dass die Flächenanordnungen und ihre Schichtungen an unsere Sehgewohnheiten appellieren, die Gegenstände identifizieren um doch noch den Bildraum mit seiner Tiefenwirkung erschließen zu können.

Rosa Hausleithners Malereien aus den letzten Jahren stellen uns zunehmend Bilder vor Augen, deren Bildinhalte nicht mehr von außen kontrollierte Formen sind. Sobald die erfahrungsgeleiteten Aneignungsgesten zu kurz greifen wird uns ein erdachter Raum entzogen. So entsteht ein Spannungsfeld von Transparenz, Erkennbarkeit und Intransparenz: Umrisslinien werden zu schmalen Anschlussflächen und die Verteilung von hellen und dunklen Flächenfragmenten bilden opake Verdichtungen, die im Bildganzen eine gewichtende Funktion haben. Waren vordem Kontraste und das Hell-Dunkel optische Indikatoren von Ausdehnung, Objektfülle und Schattenprojektion, so sind es nun Gestaltungsmittel in denen Umkehrverläufe und Gewichtungen zusammengesetzte Flächenstrukturen bilden. Diese abstrakte Flächengestaltung verleugnet dennoch nicht ihre Herkunft von der Bildhauerei. Es lassen sich bisweilen sogar Bezüge zu frühen Arbeiten herstellen, wie zum Beispiel zu „L`hombra uno“, 1987, (Modell) das eine Flächenkonstruktion im Raum konkretisiert.

In ihren Malereien fusioniert Rosa Hausleithner Räumlichkeit und Bildlichkeit, sodass die Bilder nicht mehr in Komponenten zerlegbar sind, und auch keine allgemeinen Methoden der Projektion und Konstruktion Verwendung finden können. Das Sehen wird so zum Ereignis und tritt zunehmend an die Stelle des Erkennens indem der Dingraum zur Fläche eines Gemäldes wird. Die kulturell eingeübte Praxis des Sehens, in der Bilder als Darstellung und als Verweis auf ein Abwesendes gedeutet werden, wird gegen sich selbst gekehrt und die Malereien gleichsam freigestellt.

Rosa Hausleithner rückt so die Eigenwerte des Malerischen in den Vordergrund, der nun eine geschichtete und fragmentierte Bildfläche ist, komponiert aus füllenden Färbungen, die sich über Flächen dehnen und an Kanten brechen. Linienkonstruktionen schaffen Wahrnehmungsübergänge, entlang von provisorischen Blick-Fixierungen, welche Momente der Verschiebung, Überlappung, Nähe und Entfernung markieren.

Sie verschiebt dabei den Schwerpunkt vom perspektivisch angeleiteten Sehen hin zu einer offenen Betrachtungsweise, die bereits einen heterogenen Raum voraussetzt.

Text: Kurt Kladler 2018