Anna Meyer

19.06.–29.08.2009

Gerade die Malerei gab sich in den letzten Jahren angesichts der neoliberalen Globalisierung und der stetig bewusster werdenden Klimakatastrophe immer wieder als bloß ästhetisches Schmankerl, als, um es in den Worten des Philosophen Theodor W. Adorno zu sagen, "Fetisch und müßige Spielerei solcher, welche die drohende Sintflut gern verschliefen". Die Malerei von Anna Meyer hat da noch nie mitgespielt, vielmehr gehen bei ihr gesellschaftskritische Reflexion, visuelle Bild- und Themenfindung sowie deren formale Umsetzung stets Hand in Hand.

In ihrer Ausstellung Nostalgia for an Age yet to come beschäftigt sich Anna Meyer in ihrer Malerei mit urbanistischen Fragestellungen. Dazu ist die engagierte Ausstellung zweiteilig, wenn man so will: dialektisch, strukturiert. Im ersten Teil zeigt die Künstlerin Bilder ihrer Arbeitsgruppe The Mirror licks the Crisis, The Mirror licks the Painting. Die monumentale Glasstahlarchitektur von Banken, Versicherungen und Bürogebäuden z. B. wird hier in gleißenden und flirrenden Farben in ihrer vor scheinbarer Macht strotzenden Hybris vorgeführt. Die Gebäude spiegeln sich quasi in sich selbst, statt zu reflektieren im Sinne des sich kritisch Hinterfragens, glänzen sie nur noch, sich selbstverliebt leckend, in ihrem eigenem überzogenen Statusdenken. Meyers Bilder bezeugen: Dieses architektonische Schauspiel, das durchaus auch als Metapher für soziale Hierarchien funktioniert, ist so absurd und abschreckend wie faszinierend zugleich.

Dieser im Zeichen der derzeitigen Finanzkrise mehr und mehr obsolet werdenden Herrschaftsarchitektur setzt Anna Meyer im zweiten Teil ihrer Ausstellung Bilder aus ihrer Reihe solarCity entgegen. Diese Schildermalerei, jüngst entstanden für den Schilderweg des diesjährigen Festivals der Regionen in Linz, reflektiert nun tatsächlich, und zwar die alltägliche Lebenssituation "ganz normaler" Bewohner des Linzer Stadtteil solarCity, etwa besagtes umweltfreundliches Nutzen von Sonnenenergie. Die Bilder mit ihren "naiv-realistischen" Darstellungen betonen so einerseits den sozialen und ökologischen Charakter dieser überaus ambitionierten Architektur, ambitioniert im Sinne von mehr Lebensqualität für Alle, hinterfragt aber auch Schwachstellen dieser Siedlung, etwa die große Anzahl von Verboten hier. Zu dieser Ambivalenz sagt Anna Meyer selbst, sich auch auf den Titel der Ausstellung, eine Songtextzeile der legendären britischen Punkband The Buzzcocks, beziehend: "Die Schilderbilder sind ein bisschen die Nostalgie für ein Zeitalter, das noch kommt. Sie zeugen von einer Sehnsucht von etwas, was noch nicht Geschichte ist, gerade zu Geschichte gemacht wird und doch nie einlösbar sein wird."

Raimar Stange