Despina Stokou

20.11.2013–11.01.2014

Die Arbeiten von Despina Stokou hinterfragen die Gültigkeit von Medieninformationen, die die Künstlerin in einem malerischen Kontext verortet. Das für Stokou charakteristische Medium der Collage verhandelt einerseits die Relevanz von Malerei als originärer Bildträger künstlerischer Produktion sowie die aktuelle Bezugnahme dieses ursprünglichsten aller künstlerischen Medien auf den realen und digitalen Raum. Der reale, ausstellungsspezifische Raum wird durch Installationen erweitert, die das Tafelbild nicht notwendigerweise an die Ausstellungswand binden, sondern auch als haptisches Gefüge in seinen unterschiedlichen Materialitäten wahrnehmbar machen. Dadurch entzieht sich die Künstlerin a priori einer eindeutigen Zuordenbarkeit in eine bestimmte mediale Kategorie.

Der digitale Raum alias Google dient der Künstlerin als Textquelle, die in veränderter Weise durch die einzelnen Buchstaben, die nicht immer als Worte dechiffrierbar sind, auf die malerische Oberfläche und damit in den Bildraum gelangt. Farbe und Papier werden als Materialien miteinander kombiniert, Schichten überlagert und expressive Kompositionsweisen verwendet, so dass ein Amalgam aus Textoberflächen entsteht, das aktuelle Surfmodalitäten im Internet, den damit einhergehenden Informationskontrollverlust einerseits und das Begehren nach Information andererseits thematisieren. Sowie der virtuelle Raum des Internet eine Dreidimensionalität aus Bildern und Texten zu generieren scheint, benutzt die Künstlerin auch das zweidimensionale Medium der Zeitung, um daraus Texte als Fragmente und Buchstabenkombinationen zu abstrahieren und diese in die malerische Oberfläche einzubinden. Blogs und Emailkonversationen dienen ebenfalls als textuelle Grundlagen der Collagen. Je nach geografischem Aufenthaltsort setzt sich Stokou mit der Aktualität des Geschehenen auseinander und verarbeitet dies in der in Folge entstehenden farbintensiven und ausdrucksstarken Bild- und Textwelten.

Die in Berlin lebende Griechin, die nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Kuratorin arbeitet, setzt sich konstant mit Fragen des Displays auseinander, die in der Präsentation ihrer Malereicollagen stets einen zentralen Stellenwert einnehmen. Dies verdeutlicht auch die aktuelle Ausstellung in der Galerie Krobath, in der die Künstlerin die Arbeiten als räumliches Geflecht in unterschiedlichen Anordnungen positioniert. In einem der Werke ist etwa groß „ingredients“ zu lesen. Diese Feststellung kann paradigmatisch für die vielen Facetten von Stokous Arbeiten gesehen werden, in der sie sich unterschiedlichster Quellen und Methoden bedient. So finden sich auch immer wieder kleine Fotos in die Farb- und Textmengen eingefügt, die oftmals eine pornografische Richtung einschlagen. Ob männlicher oder weiblicher Akt, die jeweilige Bezugnahme hinterfragt genderorientierte Sichtweisen und versucht diese durch den performativen Akt der malerischen und textuellen Geste gleichsam aufzulösen.

Stokou offeriert den BetrachterInnen somit ein mögliches Bild- und Textuniversum, das als Referenz an unterschiedliche Formen von Wirklichkeit angesehen werden kann. In einem Bild ebenso zu finden das Wort „suggested reading“, wodurch die Künstlerin auf geisteswissenschaftlicher Ebene ein Suggerieren möglicher Realitäts- und Textebenen andeutet. Diese verdichten sich, schweifen wieder auseinander und stellen den BetrachterInnen eine Vielzahl an Informationsmaterial zur Verfügung. Letztere haben die Möglichkeit, sich anhand der vorgefundenen „Zutaten“ ihre eigene „bricolage“ an Realitätsdeutungen zusammenzustellen.

Das Moment des Unmittelbaren lässt sich in allen Arbeiten deutlich spüren, in denen die Impulsivität der Farb-, Text- und Bildmengen die Grenzen des Bildrahmens zu sprengen scheint. Konzentriert auf die Dimensionen der zur Verfügung stehenden Leinwand führt uns Stokou wieder in die Realität der Kunst zurück, in der sie die visuellen Parameter aktueller Malereipositionen in einem gesamtkünstlerischen Kontext auszuloten versucht.

Walter Seidl