Esther Stocker

21.01.–19.03.2005

Esther Stocker, Otto-Mauer-Preisträgerin 2004, zeigt eine eigens für den Galerieraum konzipierte Rauminstallation und drei neue Bilder.
Was sind das für Gegenstände, die wir voraussetzen? Körper, mit Sicherheit. (...) Ein Körper ist ein physikalischer Gegenstand besonderer Art, ein räumlich mehr oder minder kontinuierlicher und recht klobiger Gegenstand, der von seiner Umgebung zumeist abrupt absticht und im Laufe der Zeit durch die Kontinuierlichkeit seiner Orts-, Gestalt-, und Farbveränderung individuiert wird. Dies sind vage Kriterien, vor allem in Anbetracht der Molekulartheorie, welche lehrt, die Grenzen eines Festkörpers seien unbestimmt, seine Kontinuität nur scheinbar und im Grunde eine Frage der Gradeinteilung.
(aus: W.V.O. Quine – „Theorien und Dinge“, Suhrkamp, 1985, S. 19 – 25)
Die Arbeiten von Esther Stocker sind meist rasterhaft aufgebaut, sie scheinen so etwas wie ein Schachbrett zu bilden, auf denen die Künstlerin ihre unterschiedlichen Spielzüge versucht. Ein erster kurzer Blick scheint zunächst alles klar zu machen: geometrische Muster, in schwarz und weiß und vielleicht noch einigen Zwischentönen gehalten. Die Klarheit schwindet jedoch schnell, wenn sich die oft nur sehr minimalen Eingriffe ins Blickfeld schieben. Dann tun sich plötzlich Alternativen auf, was vorher noch klar und deutlich schien, bekommt etwas Fragiles und Flüchtiges, das Einfache wird nicht in etwas Komplexes verwandelt, wir beginnen nur ganz grundsätzlich zu zweifeln, ob es dieses Einfache überhaupt als solches gibt. Wenn ein einfaches Raster aus Rechtecken an einigen Stellen Verschiebungen aufweist, so hat dieses Raster in Stockers Arbeiten einen Effekt, der völlig gegen die Intuition zu laufen scheint: Es dient nicht mehr als ein fixes Netz von Orientierungspunkten, sondern es scheint geradezu zu verhindern, das wir die andere, durch die minimale Verschiebung entstandene Struktur erfassen können. Die Künstlerin scheint die vorgebliche Robustheit geometrischer Formen nur dazu zu benutzen, um die Bedingungen für die völlige Auflösung dieser Robustheit zu schaffen. Es ist keine komplexe Welt, es sind die einfachsten Strukturen, bei deren Anblick wir uns auf nichts mehr verlassen können und alles in der Schwebe bleibt.
(aus: Martin Prinzhorn - „Der Schein der Klarheit“, Parnass Kunstmagazin, Heft 4/2004, S. 128 - 132)