Ugo Rondinone

24.01.–05.03.2015

Die Galerie Krobath zeigt neue Arbeiten von Ugo Rondinone, die sich mit dem Thema Malerei und deren Ikonografie sowie konzeptuellen Wirksamkeit auseinandersetzen. Ausgehend vom klassischen Tafelbild thematisiert Rondinone auch Momente der Skulptur in Anlehnung an kunsthistorische Referenzmechanismen. Gezeigt werden sechs mit dem Entstehungsdatum betitelte Wolkenbilder, deren Umrisse mit den Formen der Wolken korrelieren und an die Dramaturgie altarähnlicher Szenarien angelehnt sind. Durch die datumsbezogenen Titel lassen sich diese Arbeiten in einen größeren Werkkomplex einreihen, der Rondinones bekannte Kreis- und Streifenbilder, Tuschezeichnungen sowie Sternen- bzw. Nachthimmeltableaux umfasst.

Rondinones vielschichtiges künstlerisches Vokabular bedient sich einer Fülle an semiotischen Codices und Materialien, die unterschiedliche Sprachmodelle generieren und diese in eine visuelle Matrix überführen. Seine Arbeiten evozieren oftmals eine Entschleunigung des Alltags, da sie ein kontemplatives Moment in die jeweilige Ausstellungssituation einbringen und poetische Zusammenhänge entstehen lassen. Durch die Datierung erfahren die Werke des Künstlers eine zeitlich lineare Zuschreibung, die einer Katalogisierung bzw. tagebuchartigen Erinnerungsfunktion gleich kommt, wobei hier der Bildraum bzw. Raum im Allgemeinen mit der Zeit bzw. dem Titel in Verbindung tritt.

Das Thema der Wolke zieht sich durch die gesamte Kunstgeschichte und enthält besondere Bedeutung in der abendländischen christlichen Ikonografie, etwa in der Darstellung von Himmelsgewölben in den Deckenfresken von Kirchen, bei denen die räumliche Erstreckung ins Unendliche visualisiert werden soll. Durch die amorphen Gebilde lässt sich bei Wolkendarstellungen ein konkreter physischer Raum nur schwer konstruieren bzw. verschieben sich traditionelle Modelle der Perspektive hinsichtlich eines metaphysischen Universums. Malerisch und bildnerisch verschwimmen die Grenzen zwischen Form und Grund innerhalb eines traditionellen Darstellungssystems aus Punkt, Linie und Oberfläche.

In Rondinones Wolkenbildern, die wie alle seine Bildgruppen in ihrer Ikonografie an die deutsche Romantik angelehnt sind, dominiert das Blau des Himmels, während die Bildung der weißen Wolkenschicht bzw. die Darstellung der Kondensation von Wasserdampf nur an den unteren Bildrändern angedeutet wird. Die ephemere Qualität dieser Darstellungsweise lokalisiert die Wolken außerhalb des Bildraumes, wodurch sich eine mystische Qualität wie in vielen von Rondinones Arbeiten einstellt. Die bildliche Auflösung von Form und Grund konterkariert der Künstler durch die Rundungen der Leinwände, die die Wolkenstruktur symbolisieren und mittels skulpturalen Eingriffs definieren. Somit konzeptualisiert Rondinone den bildlichen Zugang zu dem dargestellten Inhalt und lässt die einzelnen Tableaux zu Objekten werden, die in ihrer Ausführung u.a. an die Elemente von Flügelaltären und deren auf Wolken rekurrierenden runden Umrahmungen erinnern.

Rondinones Wolkenbilder entleeren die Bildoberfläche fast zur Gänze ihres Inhalts und seiner Darstellung, wodurch die Abwesenheit des Visuellen eine Assoziationskette an Themen und Motiven freilegt. Der Einsatz dieser minimalistisch-abstrakten Geste erzeugt ähnlich wie bei den Sternenhimmelbildern Momente der Kontemplation mit einer Vielzahl an Referenzstellen. Dadurch rekodiert er das Sprachsystem der Kunst in seiner syntaktischen Zusammenstellung, bei der die Visualität der Malerei sowie der skulpturale Anteil in ein gleichwertiges Verhältnis treten.


Walter Seidl