Běla Kolářová Falke Pisano Janice Kerbel Sofie Thorsen

26.04.–04.06.2008

Die Galerie Krobath Wimmer hat nach 12-jährigem Bestehen im Januar 2008 ihre Räumlichkeiten erweitert.
Die Intention der ersten an beiden Orten (Eschenbachgasse 9 und Nibelungengasse 11) stattfindenden Ausstellung ist es, vier Künstlerinnen durchaus unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten, deren Arbeit wir in der jüngeren Vergangenheit mit Interesse verfolgt haben, mit jeweils einer signifikanten Arbeit auszustellen.
Diese Präsentation ist demnach weniger im Sinne einer kuratierten Gruppenausstellung zu verstehen, die versucht Gemeinsamkeiten zu konstruieren, als vielmehr als Möglichkeit, die Praxis dieser Künstlerinnen in der Wiener Kunstöffentlichkeit in einer konzentrierten räumlichen Situation kennen zu lernen.

Běla Kolářová
„Ausgewählte Arbeiten“
Das umfangreiche Werk der Prager Künstlerin Běla Kolářová (geb. 1923, lebt in Prag) bewegt sich in einem Grenzbereich zwischen Fotografie und Assemblage. Sie greift dabei auf Methoden zurück, die mit jenen des Neo-Realismus, Neokonstruktivismus und der Op-Art vergleichbar sind. Schon früh hatte sie die klassische fotografische Praxis verlassen und sich dem Experiment zugewandt: bereits in den frühen 60er Jahren arbeitete sie mit „Röngtenogrammen“, Wachsabdrücken und ähnlichen Techniken. Ihr Interesse für die Variabilität von geometrischen Strukturen und die Entdeckung und Ausarbeitung einiger grundlegender, an sich neutraler, doch metaphorisch tragender Elemente führte sie zu Materialassemblagen (1964) und später zu Zeichnungen mit Schminke. Dafür wählte sie eine kleine Reihe von banalen, einfachen, jedoch sehr intimen Relikten des Alltags aus und arrangierte sie spielerisch in immer wieder neuen Strukturvarianten. Sie spielt dabei gekonnt mit der Umwidmung der benutzten Objekte von ihrer ursprünglichen Bedeutung zu ihrer neuen Rolle als Teil eines abstrakten, sich verselbständigenden Musters.

Falke Pisano
„Chillida (Forms and Feelings)“
In filmischen Essays, performativen Vorträgen und eigenen Publikationen untersucht Falke Pisano (geb. 1978, lebt in Amsterdam) die Beziehungen zwischen Architektur, Kunst, Öffentlichkeit und medialer Vermittlung. Zentral ist dabei ihre Auseinandersetzung mit Formalismus und Objektcharakter, deren Beziehung zu Sprache und Schrift, und die mit ihnen verbundene Vorstellung uneingeschränkter Autonomie.
Die Arbeit „Chillida (Forms & Feelings)”, eine synchronisierte 2-Kanal-Videoarbeit, ist eine Art persönlicher Bericht über die emotionale Reaktion der Künstlerin auf David Finns Fotos von Skulpturen des baskischen Bildhauers Chillida: „While going through the pages of the photo-book I try to trace the relationship between the characteristics of these specific objects, their depiction, the experience of the photographer and his daughter and my own preoccupations concerning existential matters and my emotional response.” (Pisano)
Pisano arbeitet sehr gezielt mit dem Überschreiten der Konventionen in Vortragssituationen oder dem Sprechen über Kunstwerke, das in eine im Grenzbereich des Performativen angesiedelte Poetik übergeht.

Janice Kerbel
„Remarkable“
Janice Kerbel (geb. 1969, lebt in London) untersucht in ihren Werken das Verhältnis zwischen dem Universum geplanter Dinge – der reinen Idee der Tat – und der Welt der konkreten Aktionen. Bekannt wurde sie durch fiktive Planzeichnungen, Diagramme und Blaupausen, die sie zu Assemblagen, Installationen, Planspielen und Environments verdichtet, in denen sie die Trennung zwischen diesen beiden Ebenen zunächst negiert. Sie vermischt dabei Mögliches mit Unmöglichem und Absurdem – das Resultat tritt dabei als eine Art „konkretisierter Tagtraum“ auf, der den Betrachter verunsichert, bevor er realisiert, dass es sich um ein rein fiktives „Kunstwerk“ handelt.
Bei Krobath Wimmer wird ihre Arbeit „Remarkable“ (2007) zu sehen sein. Diese Serie von Plakate sind jenen der Jahrmärkte des späten 19. Jahrhunderts stilistisch nachempfunden und kündigen jeweils unterschiedliche fiktive Darstellerinnen an. Jede dieser Figuren ist demnach ein einzigartiger, spektakulärer Charakter mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Es treten u.a. Iggy Fatuse, The Human Firefly, Faintgirl, The Regurgitating Lady und The Shyest Person Alive auf.

Sofie Thorsen
“When I Walk on the Streets these Days, somehow I can’t relax”
“Ein grünes haus, ein rotes, rosa-blau, blau-gelb, blau auf dunkelrot, meergrün...“
In ihrem Werk setzt sich die aus Kopenhagen stammende Künstlerin Sofie Thorsen (geb. 1971, lebt in Wien) mit Konzepten historischer Ortsspezifik und Konstruktionen urbaner Identität auseinander. Zeichnung, Wandmalerei, Fotografie und Installation sind die von ihr eingesetzten Medien.
Die Diainstallation „When I Walk on the Streets these Days, somehow I can’t relax” zeigt zu Anfang einen Stapel Papiere, in den folgenden Überblendungen wird scheinbar ein Blatt nach dem anderen abgetragen. Es handelt sich um historische Fotografien von Fassaden, Textcollagen sowie zeichnerisch rekonstruierte Elemente von Häuserfronten, welche die Künstlerin bei Ihren Recherchen in Tokio zusammengetragen hat. Die Fassaden sind Beispiele für „Barracks“ (jap. Barakku), temporäre Bauten für Wohn- und kommerzielle Zwecke, die in Tokio nach dem großen Kanto-Erdbeben von 1923 als Hilfsprojekt entstanden waren und an deren Gestaltung einige der zentralen Figuren der damaligen Avantgarde Japans mitwirkten.
Als zweite Arbeit von Sofie Thorsen wird das Wandbild “Ein grünes haus, ein rotes, rosa-blau, blau-gelb, blau auf dunkelrot, meergrün...“ zu sehen sein: ein Farbindex, der auf Beschreibungen von Bruno Tauts farbigen Bauten in Magdeburg basiert, die er dort zwischen 1921-23 realisierte und die – über Umwege – die Arbeit der Barrack Decoration Company aus Tokio maßgeblich beeinflusste.