Theresa Eipeldauer

27.04.–01.06.2016

Die bildnerische Reichweite der von Theresa Eipeldauer eingesetzten Formensprache durchkreuzt eine Fülle von Materialien und technischen Prozessen, die auf das Primat der Zeichnung und der Malerei zurückzuführen sind, diese Medien jedoch in unterschiedlicher Weise analysieren und in einer weiteren Stufe räumlich fortführen. Eine Palette an Grundfarben wiederholt sich in einer minimalistischen Auseinandersetzung mit abstrakten Formationen, die in den einzelnen Medien wie Grafitzeichnung, Siebdruck, grundierter Leinwand und Skulptur angewandt werden und Fragen nach Möglichkeiten des Displays aufgreifen.

In ihrer Ausstellung in der Galerie Krobath zeigt Eipeldauer eine Auswahl aus ihrer medial unterschiedlichen Spannbreite an Arbeiten, die in ihrer Gesamtheit einen Kanon an kunsthistorischen Abstraktions-mechanismen auslotet. In Eipeldauers Zeichnungen bildet die Linie das Grundelement, die stets vervielfältigt wird und dadurch industrielle Prozesse vorwegnimmt. Die Reproduktionsmechanismen innerhalb der Kunst seit dem 20. Jahrhundert werden in vielen ihrer Arbeiten virulent, sowie der Übergang vom Einzelwerk zum Environment, mit dem Eipeldauer in ihren Arbeiten spielerisch und mit künstlerischer Leichtigkeit umgeht. Die Dringlichkeit, ob ihre räumlich positionierten Arbeiten als Ensemble oder als Einzelwerke gedeutet werden, rückt daher unwillkürlich in den Hintergrund und wird letztendlich den BetrachterInnen überlassen. Der Übergang von den zweidimensionalen zu den dreidimensionalen Arbeiten führt, wie es Heike Maier-Rieper treffend formuliert, zu einer „Ambivalenz von Transparenz und Verhüllung.“ 1) Momente der Transparenz zeigen sich in den Strich-zeichnungen, bei denen es sich um eine Vervielfältigung des Themas Linie handelt, die auf einer Folie und oftmals auch in einem zweiseitig begehbaren Stellwand-Trägersystem eingebaut, die Schwerkraft des Raums aufzuheben scheinen. Mit dieser Trope rekurrieren Eipeldauers Arbeiten auf Friedrich Kieslers Leger- und Trägersystem, das er für die internationale Theater-ausstellung 1924 in Wien entwickelt hatte. Dabei handelte es sich um eine modulare, freistehende Konstruktion von Bühnenelementen, auf denen Objekte und Bilder präsentiert wurden. Ebenso zeigen sich hier inhaltliche Parallelen, wenn Eipeldauers grafische Formationen in einigen Instanzen Referenzen zu Kieslers Formensprache aufweisen.

Auch wenn die Arbeiten der Künstlerin an bekannte grafisch-abstrakte Motive der Kunstgeschichte erinnern, so geht Eipeldauer in unkonventioneller Weise mit den von ihr verwendeten Materialien und technischen Umsetzungs-prozessen vor. Was wie Malerei aussieht, folgt nicht dem klassischen Öl auf Leinwandprozess, sondern widmet sich unterschiedlichen Möglichkeiten des Farbauftrags, bei denen auch immer wieder das Verfahren des Siebdrucks, etwa auf transparenten Plastikfolien, ins Spiel gebracht wird. Oft wird die Leinwand schlicht und einfach nur grundiert, um somit unterschiedliche Farbnuancen zu generieren. Die bevorzugt eingesetzten Pastellfarben, die in den Arbeiten fortwährend auftauchen, sind mintgrün und orangerosa, die gerne als abstrakte Farbflächen in den piktorialen, Malerei-simulierenden Tableaus auf schwarzem Hintergrund erscheinen oder eben als Grundierungsfarben verwendet werden. Letzteres kann zu einer Skala nuancierender und ineinander übergehender Farbflächen führen, aber auch extrapoliert und in Leinwandobjekte übertragen werden. Die beiden Objekte „Torsogreen“ und „Torsorosa“ bilden ein Beispiel dafür, wie jene grundierte Leinwand zerschnitten, gefaltet und zu Objektschichten zusammengebaut wird, um in ihrer Gestückeltheit bzw. als Objekt gebündelt, dreidimensionale Torso-ähnliche Dimensionen einzunehmen.

Ob als strenge, grafisch multiplizierte schwarz-weiße Bild- und Raumanordnungen, oder als farbig-serielle Druckverfahren und Objekt-konstruktionen, der Übergang der bildnerischen und räumlichen Dimensionen kann bei Eipeldauer mit der These des griechischen Philosophen Heraklit, „panta rhei“, in Verbindung gebracht werden, demnach alles ständig im Fließen bzw. Übergang begriffen ist und es unmöglich erscheint, in ein- und denselben Fluss zweimal einzudringen.

1) Heike Maier-Rieper. “Theresa Eipeldauer.” in: 95-2015 Jubilee evn collection. Wien: Verlag für moderne Kunst, 2015. S. 115.

Text: Walter Seidl