Michael Bauch

28.03.–26.04.2014

Michael Bauchs Malereien bezeichnen einen Vorgang zur Form. Seine Bilder sind Konzentrationen einer Praxis mit dem Material, hier mit Leinwand, Grundierung und Farbe, an der Bauch sein Verständnis des Malerischen seit Mitte der 1980er verschärft. Und wie auch immer objekthaft seine Arbeiten ihren Betrachter/Innen gegenübertreten, die Spezifik die hier gesucht wird ist eine Malerische. Und doch ist Bauchs Prinzip nicht das der Komposition, sondern das der Aktion, einer praktischen Annäherung an die Leinwand, die sie in ersten Arbeitsschritten mitscheinbar zufälligen, sich wiederholenden zeichnerischen Bewegungen umreißt, um in ihnen Formen aufzufinden, auszuarbeiten und zu klären. Die intensive Farbigkeit die Bauch im Verlauf dieser Ausarbeitung seinen Bildern gibt bezeichnet hierbei einen weiteren Differenzierungsschritt in diesem fortschreitenden Prozess der Materialisierung.
Form und Farbe schärfen sich bei Bauch aneinander, dass wird gerade dort klar, wo er Reihungen einer Form über mehrere Leinwände weiterverfolgt. Bauch zeigt neue Serien von Malereien, die in unterschiedlichen Formaten ihre jeweilige Formgebung wieder und wieder durchspielen, verkehren und neu ausrichten. In diesen Serien regiert, trotz aller Abstraktheit der Formen nicht deren graphische Erstarrung, sondern diejenigen unmerklichen Differenzen, die erst in solch einer kontinuierlichen Repetition sichtbar werden. Sie sind es die den Weg frei geben für momenthaft aufscheinende figurative Projektionen ihrer Betrachter/Innen, die erst im Blick entstehen, unangeleitet und erzeugt erst im individuellen Verhältnis zum Bild. Denn diese Projektionen liegen nicht zuletzt in den Vorgeschichten des Mediums, Erinnerungsbilder, die Bauch in seinen Malereien auftauchen lässt, ohne sie je direkt zu zitieren. Die Geschichte in Bauchs Malereien ist kein connaisseurhafter Referentialismus, eher schon ein Abdruck der Historie des Sehens. Hier sind es Anmutungen der 1950er ebenso wie der 80er, Formen des Abstrakten Expressionismus oder der frühen britischen Pop Art, die hier ohne gestische Monumentalität oder informelle Tragik zurückkehren.
Man beginnt sich zu fragen, ob auch das Jetzt eine eigene Farbigkeit und Form besitzt, ob sie vielleicht in eben diesen Überschneidungen der Zeiten liegt, aus deren fortlaufender Wiederholung, Aktualisierung und Verschiebung sich die Gegenwartskunst zusammensetzt - oder ob sie erst in Retrospekt sichtbar in den Vordergrund treten wird, herausgearbeitet, wie hier, in Bauchs malerischer Arbeit am Material, in einer Art offenen Kunstgeschichte des malerischen Blicks. Bauch malt das Malen als eine künstlerische Arbeit am Material.

Kerstin Stakemeier