Florentina Pakosta

29.04.–03.06.2015

In den 1970er-Jahren mit eindringlichen, Franz Xaver Messerschmidts „Charakterköpfe“ paraphrasierenden Selbstporträts und großformatigen Männerbildnissen als Grafikerin und Zeichnerin bekannt geworden, widmete sich die 1933 in Wien geborene Künstlerin Florentina Pakosta ab Mitte der 1980er-Jahre zunehmend der Malerei. Ihre bevorzugten Themen waren zunächst Darstellungen anonymer Menschenansammlungen und uniformer Warenlandschaften, die, auf Schwarzweiß bzw. den Kontrast von zwei Farben reduziert, sich zwar an der Ästhetik der Pop-Art und Comics anlehnen, zugleich aber an die schrecklichen Bilder aus Konzentrationslagern erinnern.

Im Jahr 1989 kündigte sich, ausgelöst durch die umwälzenden politischen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, eine völlig neue Phase im Schaffen der Künstlerin an: Die gegenständliche Welt hinter sich lassend, wandte sich Florentina Pakosta in ihren „Trikoloren Bildern“ nunmehr einer abstrakten Bildsprache zu, die vom Reformgedanken des russischen Konstruktivismus inspiriert war. Von der revolutionären Aufbruchsstimmung dieser Kunstrichtung und insbesondere ihren weiblichen Vertretern angetan, ging es Pakosta jedoch keineswegs um eine direkte Bezugnahme. Vielmehr strebte sie gegenläufig zu der wiedererwachten figurativ-expressiven Malerei einerseits und als Reaktion auf die Mediatisierung der Gesellschaft andererseits eine „Symbolik an, die für die Freiheit neuer Gedanken steht“, so die Künstlerin. Ihre „Trikoloren Bilder“, deren Komposition auf balkenförmigen Elementen und der Kombination dreier dissonanter Farben basieren, sind Ausdruck ihrer persönlichen, das welt- und gesellschaftspolitische Geschehen reflektierenden Stimmungen. Der Grundtenor ist aggressiv und spiegelt sich nicht nur in der Farbgebung wider, sondern auch in der chaotischen Bildstruktur, die sich jeglicher tektonischen Ordnung entzieht und zumeist negative Assoziationen wie Verwüstung, Ausgrenzung oder Zusammenbruch erzeugt, was durch Betitelungen wie zum Beispiel „Angriff", zusätzlich forciert wird. Dennoch vermitteln die Bilder keine konkreten Inhalte. Die Exaktheit der Ausführung, die in minutiösen Vorzeichnungen vorbereitet wird, lässt auf den ersten Blick vermuten, es handle sich um ein rein formales Spiel zwischen Raum und Fläche. Dass dem nicht so ist, wird aus den unterschiedlichen thematischen und kompositorischen Aspekten ersichtlich, die Pakosta in ihren „Trikoloren Bilder“ auslotet. So entsteht letztlich eine Ambivalenz zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, die durch die doppeldeutige Räumlichkeit untermauert wird: Sind hier tatsächlich dreidimensionale Balken dargestellt? Oder handelt es sich doch nur um Farbflächen, von denen die dunkelste unwillkürlich als Schatten wahrgenommen wird?

In den letzten drei Jahren hat Florentina Pakosta ihr bislang von linearen Strukturen bestimmtes Vokabular durch die Einführung gebogener Elemente erweitert, um Bewegung und somit auch Zeit zu visualisieren. Zusätzlich kommt in den aktuellen Bildern meist eine vierte Farbe ins Spiel, die sich in ihrer Helligkeit deutlich von den anderen drei absetzt. Sie markiert gewissermaßen eine Bruchstelle. Während in den „Trikoloren Bildern“ die Fläche von durchgehenden, oft ins Unendliche weiterführenden Balken durchkreuzt wurde, scheinen sie nun im Moment des Auseinanderbrechens, des Abdriftens in die Schwerelosigkeit festgehalten zu sein.

Alexandra Schantl