Isabell Heimerdinger

29.10.–22.11.2003

Wo liegt der Unterschied zwischen Sein und Schein? Wo beginnt das Spiel, wo endet die Wirklichkeit? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit von Isabell Heimerdinger. Ihr Hauptinteresse gilt dabei dem Film, dem Kino, den Orten ihrer Entstehung, den unterschiedlichen Facetten des weiten Feldes von Theater und Schauspiel.
Man könnte ihre Arbeit auch als eine Art Untersuchung bezeichnen, in der die Frage nach Authentizität und Spiel in der Aufschlüsselung verschiedener Identitätsebenen gestellt wird.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Arbeit "Waiting, Acting Waiting", ein 14-minütiger 16mm-Film, in welchem die Künstlerin dem Schauspieler Wolfram Berger die Aufgabe stellt, einen wartenden Mann zu spielen. Zuvor filmt sie ihn unbemerkt beim Warten auf den eigentlichen Drehbeginn. In anderen Arbeiten konfrontiert sie Schauspieler selbst mit ihrem eigenen Spiel.

Um das Moment des "Vorher und Nachher" geht es auch in der gleichnamigen Fotoserie "Before and After". Sie bezieht sich u.a. auf das Stück "Das Maß der Dinge" von Neil La Bude, das zur Zeit am Wiener Akademietheater zu sehen ist. Sie zeigt vier Schauspieler (Daniel Jesch, Johanna Wokalek, Dorothee Hartinger, Raphael von Bargen) in zwei Extremsituationen, nämlich unmittelbar vor und nach ihrem Auftritt. Die Schauspieler wirken vorher angespannt, nachher gelöst. Ob diese Haltung und der scheinbar intime, persönliche Moment authentisch oder aber (bewusst oder unterbewusst) gespielt ist, bleibt unsicher.

Für die Polaroid-Serie bat die Künstlerin Freunde und Bekannte, eine Pose einzunehmen; diese sollte vom Nächsten exakt kopiert werden. Es entstand jedoch eine Reihe von Portraits, die in der Folge immer weiter vom ersten abweichen.

Das Vortäuschen von Realität ist auch Inhalt der Arbeit "Eclipse", einer Lampe, die zu leuchten scheint. Erst bei näherem Betrachten fällt auf, dass sie von einem externen Strahler, (einer aus Film und Theater nicht wegzudenkenden Requisite) angeleuchtet wird. In allen Arbeiten bleibt die Ambivalenz zwischen Sein und Schein, zwischen Realität und Spiel bestehen.