Anna Meyer
Flussfluchten

20.03. - 23.04.2026

Über die Ausstellung

Flussfluchten

Wenn die Schönheit der Welt in die Grausamkeit der Zeit fällt.

Wir gehören dem Fluss, nicht der Fluss uns.

In der Glasvitrine weint der Vogel Seelensalz, die Menschen müssen fliegen. Im Rad der Zeit mutieren die Panzerkäfer wehrhaft. Die goldenen Eier der Angstgänse kriegen die Diebe und fallen in den Abgrund. Die Ausbeutung der Ressourcen entfacht Kriege. Kriegen, das Geschäft mit der Angst, sind die goldenen Eier des Populismus. Kriegen, um zu Kriegen.

Im Fluss der Zeit zurückreisen um Krisen zu verhindern. Können Kriege verhindert werden, wenn die Schlüsselentscheidungen in der Pipeline der Zeit anders verlaufen wären? Könnten sie aus der Zukunft gesehen anders gedacht werden und so zu Frieden führen? 

Aus den Zeitportalen im Himmel schauen die Reisenden erwartungsvoll auf das Geschehen: Zeitenwander:innen achten Natur und Kunst und schonen ihre Werke. Alle wollen es kriegen, nicht kriegen wäre Frieden? Ein Signalschuss warf Feminismus in die Welt – siegt Frieden? 

Grimmige Wutherrscher erklären Frieden zu Krieg, doch die Natur wird sich wehren.

Die Zeitnase blutet. Bildversatzstücke leger in die Landschaften gebettet.

Schwankende Wahrheiten im Fluss der Zeit, dekonstruiert im digitalen Strudel, zersplittern in tausend Farbpixel und sinken auf Grund in den Untergang. Flussfluchten versinken im Fluchtpunkt. Friedsieg verdreht sich über bewehrte Schildkrötenpanzer und Kastanienstacheln zum Frieden Kriegen Denkmal. 

Wo die Klimakrise sich mit anderen Krisen der Welt zusammenfindet und um Frieden Kriegen muss. Die Dilemmas unserer Zeit, übersetzt in scheinbar harmlos wirkende Bilder, die mit ihrer präzisen fragilen Schönheit beim Betrachten abholen und irritieren sollen. 

Rüstet die Natur gegen die Klimakrise und die Menschen auf? Wortbilder kriegen Frieden.
Poetische Fabeltiere verschwimmen in kampfbereite Waffenwesen.

Surreale Fragmente verorten sich in der Landschaft und verhandeln so beiläufig die Schönheit der Flussnatur mit den schwankenden Wahrheiten der Gegenwart. Die Versatzstücke spannen sich über präsente Momente, die verrätselt mit der Malerei verschmelzen. Wenn der kleingroße Vogel zwitschernd den Taktplan vorgibt. Inhalte über Malerei gefiltert. 

Die Bilder verhandeln diese Inhalte aufgrund eines Projekts, das ich 2025 entlang des Donauwellenradwegs in Niederösterreich erarbeitet habe. Die Landschaften sind spezifische Orte, durchmischt mit akkuraten Momenten, die ich mit dem Rad abgefahren bin, so wird es auch für die Betrachter:innen ein Flanieren der Donau entlang. Die Zeichnungen sind ein wichtiger Teil dieser Werkgruppe, sie geben das Geschehen auf den Bildern vor. So ist die Werkgruppe in den Raum gestellt, faltet sich über den Boden in die Wände auf  und bildet seine eigene exquisite Landschaft, in der man sich gut verlieren kann. 
(Anna Meyer)

Anna Meyer, geboren 1964 Schaffhausen, lebt und arbeitet in Wien. Ihre Kunst findet auf der Leinwand ebenso statt wie im erweiterten installativen sowie im öffentlichen Raum. Mit malerischen Mitteln sucht Anna Meyer nach Lösungen und Auswegen aus unserem gesellschaftlichen Dilemma. Surreale Bilderwelten, Pop Art bunte Farbenfinger legen sich über die Wunden dieser Welt. 

Düstere Visionen der sozialen Gegenwart werden über eine lichtdurchflutete Farbpalette in ein strahlendes Gegenteil verkehrt. Landschaftsmalerei neu interpretiert. Anna Meyer verbindet feministische Perspektiven mit einem scharfen Blick auf die gegenwärtige politische, gesellschaftliche und klimatische Gemengelage. Sie stellt Machtstrukturen infrage und zeigt, wie hartnäckig ökologische Krisen und gesellschaftliche Ungleichheiten ineinandergreifen. Ihre Kunst wirkt wie ein visuelles Warnsystem – kritisch, humorvoll und radikal gegenwärtig.

Die aktuelle Ausstellung bei Krobath Wien baut auf einer Bilderserie auf, die Anna Meyer im letzten Jahr entlang des Donauwellenradwegs in Niederösterreich erarbeitet hat. 

„Anna Meyers Malerei hat in den letzten Jahren an Strahlkraft gewonnen, sie leuchtet gleichsam von innen heraus und brennt dabei förmlich unter den sie auf sie gerichteten Augenlidern. Grund für diese „Brennzligkeit“ ist aber nicht allein die expressiv intensivierte, zuweilen auch popig-grelle Farbstärke der meist großformatigen Bilder, sondern vor allem auch ihre inhaltliche Brisanz.“
(Raimar Stange, Artmagazin)

„In Anna Meyers Werken trifft die schlagwortartige, auf Emotionalisierung abzielende Informationsverknappung des postfaktischen Zeitalters auf Menschen, die sich in ihrer 
Passivität verharrend selbst beim Leben zuschauen.“
(Severin Dünser, Der Wert der Freiheit, Belvedere 21)

„Erst im Blick auf und hinter die Kulissen werden wir uns der eigentlichen Theatralität unserer modernen menschlichen Existenz bewusst. Hierin liegt die große Stärke von Anna Meyers Kunst, sich und der anderen im gemeinsamen Umgang mit der Welt gewahr zu werden.“ 
(Sabina Mlodzianowski, Ausstellungstext Krobath Berlin)

„Meyers Werke sortieren sich in verschiedene Werkserien, die gegenwartsbezogene Themen unserer aktuellen Lebensgestaltung, Ökonomisierung und Digitalisierung, aber ebenso Umweltkrisen, Landschaftszerstörung und deren politische Implikationen mit deutlich kritischer Haltung.“
(Patricia Grzonka)

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