our love (illusio) is everything that the waterfall is (doxa) curated by Christian Egger

11.09.—17.10.2026

Über die Ausstellung

Bruce LaBruce . Herbert De Colle . Crisfor . Carola Dertnig . Michaela Eichwald . Labrilena Konstantelou . Georgie Nettell. Rade Petrasevic . Amol K Patil . Gerwald Rockenschaub . Giorgos Tigkas . Jenni Tischer . Sue Tompkins . B. Wurtz

our love (illusio) is everything that the waterfall is (doxa)

Vorab die kurze Erklärung, zu den, den Titel zusammensetzenden Zitaten: Das Grundgerüst „UNS´RE LIEBE IST WIE EIN WASSERFALL„ stammt von der dt. Band Eisenvater aus ihrem Song UNS´RE LIEBE.1) Diese Allegorie einer kraftvollen mächtigen Quelle endlos herabfallenden kühlenden klaren erfrischenden Nass in einer Zeit zunehmender Dürre und Trockenheit der weltumspannenden Klimakrise, von einer Band aus einem Musikgenre, dessen Publikum für maximale und bedingungslose Treue steht (Heavy Metal), fand ich für die, dieser Ausstellung zu Grunde liegenden kuratorischen Überlegungen nützlich. Alles was der Wasserfall ist betont holprig angelehnt an den ersten Satz aus Ludwig Wittgensteins (1889 – 1951) Tractatus logico-philosophicus. Diese zwei Komponenten zeigen sich wiederum von den beiden Begriffen des Soziologen Pierre Bourdieu (1930–2002) llusio und Doxa (altgriechisch δόξα dóxa ‚Meinung‘) gerahmt. Illusio beschreibt jenen Mechanismus, nach dem gesellschaftliche Gruppen bzw. Klassen und Individuen sich über die eigentlichen Machtstrukturen der Gesellschaft täuschen und getäuscht werden und damit unbewusst zur Reproduktion der jeweils bestehenden Ordnung beitragen. Doxa wiederum fasst, alle Überzeugungen und Meinungen, die unhinterfragt als wirklich oder wahr angenommen werden, zusammen. Umgemünzt auf das diesjährige curated by Thema somit „Unsere Liebe“ als eine Überzeugung und Selbstverständlichkeit, die als wahr angenommen wird, und zugleich unbewusst zur fortwährenden Reproduktion von Liebesbegriffen beiträgt. In dieser durch Überfixierung versuchten Weitung und Öffnung des Begriffs Liebe stolperte ich zu Beginn der Vorbereitung von freien assoziativen Erinnerungen an die beliebte Cartoon-Reihe Liebe ist …. mit Sprüchen über Zweisamkeit von Kim Casali (1941 – 1997), über von Martin Kippenberger (1953-1997) mit der über die Tageszeitung Kurier bestellbaren und individuell gestaltbaren Sticker I LOVE …  gesäten Serie von Leinwandbildern, bis zu aktuellen kleinen Naschfreuden veganer LOVE-Fruchtgummis der Katjes Wunderland Rainbow Edition. Ernsthafter und konkreter wurde es mit der Ergründung des photographischen Phänomens der Doppelbelichtung, wo einzelne Belichtungen ineinander verschwimmen, um mehrere Realitätsebenen, etwa auch Liebesobjekte ganzheitlicher abbilden zu können. Auch die Hybris einer 1:1 skulpturalen Übersetzung von Gesten intimer Körperlichkeit interessierte mich genauso, wie persönliche Hommagen an eigene Begegnungen mit Arbeiten wie von B.Wurtz für mich wichtig wurden. Einst suchte ich fassungslos während eines Aufbaus die Transportkiste nach Inhalt und Arbeit ab, ehe ich die, sich kaum von der Sicherheitsverpackung unterscheidenden fragilen Skulpturen des Künstlers entdeckte und mich zuvor ernsthaft fragen musste, wo sich das, was ich so sehr lieben lernte denn überhaupt versteckte. So zeigt sich diese Ausstellung generell durchzogen von solchen Suchen nach Beweisen und Manifestationen der Thematik, auch von falscher Energie, wie ewigen Versprechen und einem Davor, Mittendrin und Danach einer ALMOST LOVE! Eben auch Zweifel an Zuneigung und die wiederholte Frage nach Art und Weise wie destruktive oder verwirrende Beziehungen fälschlicherweise als Fürsorge oder Leidenschaft bezeichnet und dennoch als wahr angenommen werden. Ob wenn wir etwas im Alltag erleben, wir uns weiter danach es als Kunst zu erfahren sehnen bzw. worin der symbolische Vorteil der Kunst hierin noch liegen könnte? Wie alle Widersprüche, und Missverständnisse, Bedingungen und Vorstellungen der Ekstase und Entrückung, die verschiedensten Kombinationen von Ursache und Wirkung von Liebe, oder eben illusio und doxa, dem besonderen Kitzel des Warum und Wie entgehen könnten, wäre es auch nur um ihren Mangel, ihr Ungenügen und die Enttäuschung fest- und auszustellen, die eine Ausstellung, die unsere Gefühle verrät, in uns zurücklässt. Denn je mehr wir die Liebe suchen und finden, desto mehr wird sie zum Fetisch, und je mehr sie zum Fetisch wird, desto weniger zugänglich ist sie. Und dennoch bewegt sich seit jeher alles allein dahin, wo LOVE ist.

1) “Uns’re Liebe” ist der dritte Track auf dem 1995 erschienenen Album Eisenvater III der deutschen Band Eisenvater. https://www.youtube.com/watch?v=vuYju_xv5cA&list=RDvuYju_xv5cA&start_radio=1

Christian Egger lebt als bildender Künstler, Musiker und freier Autor in Wien. Er ist Mitherausgeber des Künstler*innen-Fanzines www.ztscrpt.net . Solopräsentationen seiner Arbeiten waren zuletzt in Wien bei 20 20 und Charim Schleifmühlgasse bzw. bei The Horse (Dublin) oder im Kunstraum Schwaz zu sehen. Neben zahlreichen Ausstellungspublikationen werden seine Texte regelmäßig in internationalen Kunstmagazinen wie ArtReview, Texte zur Kunst, SPIKE, Springerin, Camera Austria u.v.m. veröffentlicht. Sein Buch Shows, Signals, Unvernehmen vereint Texte der Jahre 2005 bis 2020 und erschien bei Floating Opera Press (Berlin).


Lesungen / Vorträge

Our love (illusio) is everything that the waterfall is (doxa)” wird von einer Vortragsreihe begleitet, in der das Thema LOVE an insgesamt fünf Terminen mittels literarischer bis theoretisch-performativer Ansätze und Fragestellungen beleuchtet, betrachtet und analysiert wird.

SA 19 September  13:00
Miriam Stoney “Making Love“.
Miriam Stoney (*1994, Scunthorpe, UK) ist eine in Wien lebende Schriftstellerin, Übersetzerin und Künstlerin.

SA 26 September 13:00
Christian Egger  “Die Genese des Liebeslieds (vom „Liebeslied für Schu-Sin“ (ca. 2000 v. Chr.) bis „Little Love Songs“ von Wendy Eisenberg (2021))“.
Christian Egger lebt als bildender Künstler, Musiker und freier Autor in Wien. Er ist Mitherausgeber des Künstler*innen-Fanzines www.ztscrpt.net

SA  03 Oktober 13:00
Anke Dyes „Multiple Minds One Body – Liebe und Identität als Metadaten“. 
Anke Dyes ist Künstlerin und Autorin. Sie lebt in Berlin. Derzeit hat sie eine Professur für „Schreiben und Forschen“ an der Akademie der Bildenden Künste München. Kürzlich erschien “Multiple Minds One Body. Liebe und Identität als Metadaten” bei transcript. 

SA 10 Oktober  13:00
Jackie Grassmann  “Zur Zweckentfremdung der Liebe“. 
Jackie Grassmann ist Künstlerin, Autorin und Vermittlerin. Ausgehend vom Text manifestiert sich ihre Arbeit in Lesungen, Performances, Installationen und Druckerzeugnissen. Ihre Arbeitsweise beruht auf einem dialogischen Verständnis von Autorschaft, das sich vom Genie-Kult distanziert; folglich entstehen viele ihrer Arbeiten in – strukturierten oder informellen – Kooperationen.

SA  17 Oktober 13:00
Cordula Daus  “Sehr”
Cordula Daus (*1974) lebt und arbeitet in Wien und Berlin. Ihre Texte, Hörstücke und Performances kreisen um Sprache und Körper. Von 2020 bis 2026 war sie Elise-Richter-PEEK-Stipendiatin an der Universität für angewandte Kunst Wien mit dem vom FWF geförderten künstlerischen Forschungsprojekt outerwoman. Ihr Roman Sehr wurde 2024 im Ritter Verlag veröffentlicht.
https://corduladaus.com/

Weitere Informationen:

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