Mirjam Thomann
TIMES

23.10.2026 - 19.12.2026

Über die Ausstellung

Im Zentrum der Ausstellung steht ein großformatiges Monochrom, die goldene Door, 2026. Sie hat die Maße einer gewöhnlichen Tür und wurde mit Bundstift gezeichnet, Strich für Strich, Schicht für Schicht, Tag für Tag. Am Ende des Sommers wurde Door schließlich montiert und gerahmt. Nun lehnt sie an der Wand des Ausstellungsraums – einer Wand, die eigentlich selbst eine Tür ist. Die Ausstellung findet in einem kleinen Raum ohne Fenster, dafür aber mit mehreren Türen statt. Es ist wie eine Box mit überraschenden Öffnungen. Manche sind deutlich sichtbar, andere eher versteckt. In der Architektur ist eine Tür eine bewegliche Barriere, etwa in Form einer Schiebetür, Falttür oder Drehtür. Sie kontrolliert und reguliert Zugang, Durchgang, Licht, Schall und das Klima in einem Raum. Sie ist natürlich auch ein soziales Instrument. In The Same Door schreibt Sara Ahmed, dass über die Nutzbarkeit von Türen nachzudenken bedeutet, zu reflektieren, für wen eine Welt gebaut ist und wie Körper durch Gewohnheiten geprägt werden, die sich im Laufe der Zeit wiederholen. So wie das tägliche Vorbeigehen an einer Tür. Oder das wiederholte Durchschreiten derselben. Die Schwingtür am Eingang des Ausstellungsraums ist wie eine Erinnerung an diesen zeitlichen Zustand einer jeden Schwelle. Natürlich möchte man dabei sein, wenn sich die Tür öffnet.

Die Gruppe von Keramikskulpturen, die auf einem Holzpodest angeordnet sind, scheinen sich in die Richtung von Door zu wenden. Sie bestehen aus unterschiedlichen Teilen, das Grundelement ist die Vase Halle. Es ist ein Entwurf aus dem Jahr 1931 von Marguerite Friedlaender-Wildenhain, die am Bauhaus in Weimar studierte und in der Keramikwerkstatt von Burg Giebichenstein in Halle unterrichtete. 1933 musste sie emigrieren, sie ließ sich in Kalifornien nieder, wo sie bis in die 1980er Jahre hinein weiter unterrichtete, publizierte und an Keramiken arbeitete. Vase Halle wird bis heute in verschiedenen Größen und Ausführungen von KPM, Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, hergestellt. Das Gefäß besteht aus zwei geometrischen Grundformen, einer Kugel und einem Kegel, die sich voneinander abheben und zugleich nahtlos ineinander übergehen. In einem andauernden Prozess der Nachahmung und Übersetzung wurden die Originalgefäße untersucht, erweitert und mit industriell gefertigten Keramikrohlingen, deren handgeformten Kopien sowie mit Keramikteilen kombiniert, die in den Tagen vor der Ausstellung in Wien gesammelt wurden. Jetzt sind die Teile lose zu Türmen gestapelt. Diese Methode des Aufbewahrens wird von Keramikshops in Taiwan angewendet, wo eine erste Version dieser Arbeit anlässlich einer Ausstellung 2013 im MoCA Museum of Contemporary Art Taipei realisiert wurde. Das ist eine Weile her.

Die Textarbeit in der Ecke zeigt Auszüge aus dem Buch Mirjam Thomann. Text, Space, einer Sammlung von Texten, die diesen Winter bei Bom Dia, Berlin, erscheinen wird. Die Texte, die im Laufe des letzten Jahrzehnts entstanden sind, drehen sich um die Beziehung zwischen räumlichen Strukturen, materiellen Bedingungen, körperlichen Erfahrungen und Prozessen der Orientierung. Neben Türen tauchen in den Texten immer wieder weitere architektonische Elemente auf, wie Säulen, Stufen, Wände und Fenster.

Mirjam Thomann lebt in Berlin. Ihr Interesse gilt der Reflexion und Überschreitung architektonischer, sozialer und institutioneller Ordnungen mittels Skulptur, Installation und Text. In ihren Arbeiten nutzt sie das, was an einem bestimmten Ort vorhanden ist, als Impuls, als Material, Raum und Terrain, das sie erweitert, ergänzt oder kommentiert. Ihre Arbeiten waren zuletzt im Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, in der Klosterruine, Berlin (zusammen mit Nora Schultz), bei After the Butcher, Berlin, sowie in der Galerie Nagel Draxler, Berlin und Köln, zu sehen. Dies ist ihre dritte Präsentation bei Krobath nach der Einzelausstellung Women and Space, 2016, und der Gruppenausstellung Milieu, 2018 (kuratiert gemeinsam mit Jenni Tischer). Thomann studierte an der Kingston University of London und an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Seit 2024 ist sie Professorin für künstlerische Praxis mit einem erweiterten Materialbegriff an der Universität zu Köln.

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