Anna Meyer
Überhall

04.02.—07.04.2023

Über die Ausstellung

Die Klimakrise fliegt den Planeten im Überschall in den Abgrund,
ÜBERHALL als Hall im All.
Ein Hall der Natur, ein Schatten des Planeten im All.
ÜBERSCHALLFALLAll

Die dystopisch- fantastischen Landschaftsbilder verorten sich in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re des Globus, wandernde SanddĂŒnen, ausgetrocknete KĂŒsten, verzauberte PinienwĂ€lder bilden die Kulisse der Klimakrise, in der sich seltsam degenerierte Zwitterwesen bewegen, mit Batterien betriebene Schnecken, Klitorisflamingos mit Glashelmen, Helmschildkröten, die an Handgranaten erinnern, Miragestörche, die Überschall fliegen, Roboterkrabben und eine Denkende mit gebeugtem KorallenrĂŒcken.
Weinende Steinfelsen an weiten StrÀnden, eine Alltags-Melancholie, die einerseits beschreibt, anderseits klagt und Lösungen vorgeben will. Kann sie es?
Landschaftsbilder als Folien fĂŒr die von der Zivilisation gezeichnete Krise, die den Planeten verbrennt.  Modelle als fĂŒr die Augen begehbare Bilder verstĂ€rken ironisch/sarkastisch die vermeintliche Botschaft, die dann vor sich selbst resigniert, weil sie Raubbau betreibt.

Ein roter Faden fĂŒhrt die Ausstellung durch ein Nadelöhr, von Schnecken gezogen ĂŒber die TĂŒr nach draußen, zurĂŒck von Flugzeugstörchen zu den Bildern geflogen. Gedanken verknĂŒpfen Erinnerungen an Lösungen, die drĂ€ngen wĂŒrden, dabei als roter Faden ausfaden, lose im Raum hĂ€ngend.
Fauna und Flora geben fluide Entwicklungen vor, Schnecken, Pilze, Fantasiepflanzen wie der in eine queere Pflanze verwandelte Titanwurz, zeichnen eine liquid politische Sicht auf die Überhitzung vor, in der schillernde Doppelbilanzen vorgezeichnet werden, die die erforderlichen Maßnahmen leichter scheinen lassen, den Erdball nicht zum Bersten zu bringen. Die Tierhybride stehen fĂŒr Ecological Thinking, Bionik als mögliche Orientierung an der Natur, um die Katastrophe aufzuhalten.

Die altvordere Landschaftsmalerei wird in die Jetztzeit gedreht, funkelnde Sichten bebildern Lösungen, futurefluid fempolitische Akzente funken mögliche Richtungen vor, obwohl es als zu spĂ€t erscheint. Die leicht fatale Stimmung schwenkt uns auf das ein, was bald bevorstehen wĂŒrde, wenn wir nicht…
Das Entstehen einer intergeschlechtlichen Zeit kann der Klimapolitik Impulse geben, so auch im Sinne des Transplanthumanismus. Plant steht hier fĂŒr Natur, also in Verbindung und Verschmelzung mit der Natur im Sinne von Donna Haraway.
Luzide gemalte Klimakrisenlandschaftsbilder in Farben die unter den Lidern brennen, können es auch nicht lösen, daher regen sie mindestens eine Art Überlebenswerk am Planeten an.

Sand als Äquivalent zum Schnee, der Schnee/das Eis schmilzt, die Landschaft trocknet aus, versandet. SANDFLUCHTEN. All die ambitionierten SĂ€tze, um zu retten könnten versanden, weil wir dann doch nicht wollten. Gruselige Schauer jagen AngstgĂ€nse ĂŒber die Haut, beim Schauen auf das, was als unser trauriges toxisches Werk an der Erde gilt.
Schön ist anders, dennoch ein traurig glĂ€nzender Nachhall auf die bange Zukunft. Die Sonne schmilzt sich unaufhaltsam durch unsere hoch gesetzten Klimaziele. Bald wĂ€re der Blick zurĂŒck auf die Erde aus dem losgelösten Weltraumteleskop nur noch ein Schallschatten.

Als VersatzstĂŒcke sind die Hybride ineinander verwoben, Pflanzen/Tiere mit Zivilisationsdingen und Humans verschmolzen, verdonnert einen Krieg gegen sich selber zu fĂŒhren, den sie nicht wollten. Kriege kriegen nie genug. Die Natur gĂ€be Lösungen vor. Am Horizont schwebt ein Meer-wert voller Hoffnung, fein ziselierten Thesen, die die Welt retten wĂŒrden.Der Überhall summt eine tiefe Melancholie, die unser Unterbewusstsein eindunkelt.

Die Bilder tauchen in die Untiefen all dieser Übel, suchen AusflĂŒchte, die wie Gedankenluftblasen an der OberflĂ€che platzen, bevor sie ĂŒberhaupt Gestalt annehmen konnten. Unser unwiderrufliches Tun am Planeten scheint ein Wissen zu sein, das wir uns ungern eingestehen, aber ganz klar die große Katastrophe in sich birgt.
Die Bilder beschreiben eine Zukunft, die bald keine mehr sein kann, sie schauen voraus auf den Hall nach dem Knall. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Reiche (Menschen) die Klimakrise beheben.

– Anna Meyer 2022


Film:
Regie/DOP: Sebastian Arlamovsky
Musik: shorturl.at/fLNV1

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